HIV in den USA
Geld schützt nicht vor Aids

Nach langer Zeit sind die USA wieder Gastgeber einer Aids-Konferenz. Das Land ist der weltgrößte Geldgeber im Kampf gegen HIV - und selbst stark betroffen. Mancherorts sind die Infektionszahlen vergleichbar mit Afrika.
  • 2

WashingtonOb in Apotheken, Büchereien, Fahrschulen oder Suppenküchen - kostenlose HIV-Tests werden in Washington nahezu überall angeboten. Die US-Hauptstadt ist derzeit Gastgeber der Welt-Aids-Konferenz - und kämpft selbst gegen die Epidemie. „Die Infektionszahlen hier sind höher als in manchen afrikanischen Ländern“, sagt Gregory Pappas von der Gesundheitsbehörde des Bundesdistrikts.

Rund 600.000 Menschen leben in Washington DC, fast drei Prozent davon sind HIV-positiv. Unter schwarzen Männern sind es sogar mehr als sechs Prozent. Zum Vergleich: In Afrika südlich der Sahara sind dem HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) zufolge etwa fünf Prozent der Erwachsenen mit dem Virus infiziert.

Washington sei ein Mikrokosmos für die Epidemie - im Guten wie im Schlechten, sagt Pappas. „Wie im Rest Amerikas ist HIV hier in erster Linie ein urbanes Problem, ein Problem der Homosexuellen und ein Problem der Schwarzen.“ Drei Viertel der HIV-infizierten Männer in Washington DC sind schwarz, bei den Frauen sind es sogar neun von zehn. Viele leben in Armut oder nehmen Drogen.

„Es gibt immer noch eine große Diskriminierung. Viele haben Angst, sich testen zu lassen“, so Pappas. „Und wenn sie HIV-positiv getestet wurden, haben viele Angst, dass ihre Familie und Freunde sehen, wie sie die Medikamente nehmen.“

Eine große Öffentlichkeitskampagne habe die Wende eingeleitet, gab sich Washingtons Bürgermeister Vincent Gray in seiner Rede am Eröffnungsabend der Aids-Konferenz optimistisch. „Wir haben einige der besten HIV-Präventions- und Behandlungsprogramme des Landes hier in der Hauptstadt. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise mehr als fünf Millionen Kondome für Frauen und Männer in der Stadt verteilt - sogar in den Kirchen.“ Außerdem seien rund 340.000 gebrauchte Drogenspritzen gegen saubere getauscht worden.

Mit Erfolg: Seit 2009 ist in Washington kein Baby mehr mit HIV geboren wurden. 2010 starben rund 200 Menschen an den Folgen von Aids - 2007 waren es noch mehr als doppelt so viele. Drei Viertel der Infizierten bekommen innerhalb von drei Monaten nach Entdeckung des Virus Medikamente. „Auch die Zahl der Neuinfektionen geht ganz langsam zurück. Wir beginnen zu sehen, dass wir das Blatt wenden können“, sagt Pappas von der Gesundheitsbehörde.

Seite 1:

Geld schützt nicht vor Aids

Seite 2:

Mehr Lärm machen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%