HIV Mögliche Schwachstelle des Aids-Virus entdeckt

Der Aids-Erreger HIV meidet offenbar bestimmte Stellen im Erbgut des Menschen beim Einbau eigener Informationen in die infizierte Zelle. Diese Auffälligkeit könnte der Schlüssel zu einer wirksameren Therapie gegen die Immunschwäche-Krankheit werden.
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HI-Viren unter dem Elektronenmikroskop. Bis jetzt gibt es keine wirksame Abwehrwaffe gegen den gefährlichen Aids-Erreger. Quelle: dpa

HI-Viren unter dem Elektronenmikroskop. Bis jetzt gibt es keine wirksame Abwehrwaffe gegen den gefährlichen Aids-Erreger.

(Foto: dpa)

HB HEIDELBERG. Das Aids-Virus HIV baut sein Erbgut in das Genom infizierter Zellen ein. Dabei scheut der Erreger allerdings bestimmte Stellen im Erbgut des Menschen, wie Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums entdeckten. Diese Erkenntnis könnte die Entwicklung neuer Aids-Medikamente fördern.

Bisher gingen Forscher davon aus, dass HIV – ebenso wie andere Retroviren – im Erbgut der Zelle jene Stellen anstrebt, an denen das Ablesen der Gene startet. Gerade hier finden sich alle Enzyme, die die Viren benötigen.

Eine Analyse ergab jetzt überraschenderweise ein anderes Bild: Zwar bevorzugen tatsächlich viele HI-Viren die Nähe der Ablese-Startpunkte. Aber in unmittelbarer Nachbarschaft der HIV-Einbaustellen fanden die Forscher nahezu keinen Ablese-Startpunkt.

„Wir haben erstmalig und sehr präzise Bereiche im menschlichen Erbgut definiert, in die sich HIV nicht oder nur sehr ungern einnistet“, erklärt Frank Giordano. „Wir vermuten, dass hier ein bestimmter Mechanismus am Werk ist, der dem Virus den Weg versperrt. Umgekehrt kann natürlich auch genau an diesen Stellen ein Faktor fehlen, den HIV zum Einbau benötigt.“

Die Forscher glauben, dass der Mechanismus, der den Ablesestart aktiver Gene vor dem Einbau des HIV-Genoms schützt, gerade dem Aids-Erreger den Zutritt verweigert. Möglicherweise hemmt er etwa die Arbeit der sogenannten Integrase, die die Virus-DNS ins Erbgut der Zelle einbaut.

Dieses Enzym steht derzeit im Mittelpunkt der Suche nach einer verbesserten Aidstherapie. Denn der Königsweg bei der Bekämpfung der Immunschwäche wäre es, schon den Einbau des Viruserbguts in die DNS der Zellen zu verhindern.

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