Hoffnungsträger der Medizin
Menschliche Hoden liefern Stammzellen

Forschern ist es gelungen, Stammzellen aus menschlichen Hoden zu gewinnen. Das berichtet das Magazin "Nature" in einer Online-Vorabveröffentlichung. Stammzellen könnten eines Tages zerstörtes Gewebe, zum Beispiel im Herzmuskel nach einem Herzinfarkt, ersetzen. Sie zählen zu den Hoffnungsträgern der Medizin.

DÜSSELDORF. Die Wissenschaftler um Thomas Skutella von der Universität Tübingen berichten, sie hätten Spermien-Vorläuferzellen von erwachsenen Männern zu adulten Stammzellen umgewandelt. Diese Zellen hätten viele Gemeinsamkeiten mit menschlichen embryonalen Stammzellen und seien in der Lage, sich in verschiedene Gewebearten zu verwandeln.

"Die Möglichkeit, pluripotente Stammzellen aus den Hoden erwachsener Menschen zu gewinnen, hat große Auswirkungen auf die Biotechnologie und die regenerative Medizin", schreiben die Forscher. Mit solchen adulten Stammzellen ließe sich nämlich ein ethisches Dilemma der Stammzellforschung umgehen: Statt die Zellen aus Embryos zu gewinnen, die bei dieser Prozedur getötet werden, könnte man sie bei Erwachsenen mit einer einfachen Biopsie entnehmen.

Stammzellen gelten nach wie vor als Hoffnungsträger der Medizin. Im Gegensatz zu den meisten Körperzellen sind sie noch nicht auf bestimmte Funktionen festgelegt und können sich daher zu verschiedenen Gewebearten weiterentwickeln. Eines Tages, hoffen Forscher, können sie zerstörtes Gewebe, zum Beispiel im Herzmuskel nach einem Herzinfarkt, ersetzen.

Während ein Embryo in den frühen Stadien praktisch nur aus Stammzellen besteht, sind die Alleskönner bei Erwachsenen schwerer zu finden. Oft sind sie auch schon auf einen bestimmten Entwicklungsweg festgelegt. In ihrer natürlichen Umgebung würden auch die nun gewonnenen Spermien-Vorläufer sich nur in Spermien, niemals aber in Herzgewebe verwandeln. Im Labor jedoch lassen sich die Zellen umprogrammieren.

Die Tübinger bauen mit ihrer Studie auf den Arbeiten zweier anderer Forscherteams auf, die die Stammzellen in den Hoden von Mäusen entdeckt und daraus isoliert hatten. Bereits im März 2006 berichtete ein Göttinger Forscherteam von Stammzellen in den Hoden erwachsener Mäuse. Diese Zellen, die man bis dahin nur bei neugeborenen Mäusen gefunden hatte, verhalten sich fast genauso wie embryonale Stammzellen. Im September 2007 gelang es einer amerikanischen Forschergruppe, diese Zellen gezielt zu isolieren.

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