„Hüft-Zertifikate“
Kassenchef will überflüssige OPs vermeiden

Die AOK und der Spitzenverband der Krankenkassen werben für neue Wege bei der Kostensteuerung im Gesundheitswesen. Für Operationen schlagen sie einen Zertifikatehandel nach dem Modell der Energiewirtschaft vor.
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Angesichts des starken Anstiegs von Krankenhausoperationen forderte am Wochenende der neue Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, für planbare Leistungen wie Hüft-Operationen einen Zertifikatehandel nach dem Modell der Energiewirtschaft einzuführen. „Wir sollten das zumindest ernsthaft prüfen,“ sagte Wältermann.

Unterstützung kam vom Dachverband aller 145 Kassen. „Wir prüfen derzeit die Idee, einen Handel mit Zertifikaten für Mehrleistungen bei planbaren Leistungen einzuführen“, sagte Johann-Magnus von Stackelberg stellvertretender Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands dem Handelsblatt (Montagausgabe). Beim Zertifikatehandel in der Stromwirtschaft geht es darum, die Rückführung des CO-2-Ausstoßes dadurch zu beschleunigen, dass Energieerzeuger oberhalb einer gewissen Freimenge sich das Recht zum CO2-Ausstoß bei Unternehmen in Form von Zertifikaten kaufen müssen die unter dieser Grenze bleiben.

Ähnlich könnte es auch bei den Kliniken laufen, erläutert AOK-Vorstand Matthias Mohrmann. Jährlich vereinbaren die Krankenhäuser mit den Kassen schon heute Budgets. Überschreitet eine Klinik die vereinbarten Mengen, wird jede weitere Leistung über Mehrleistungsabschläge geringer vergütet. Die Idee ist nun, auf diese ohnehin bis 2014 befristeten Abschläge zu verzichten und stattdessen die Klinik zu verpflichten, für ihre Mehrleistungen Zertifikate von anderen Kliniken zu kaufen, die ihre Leistungsmenge nicht ausschöpfen.

Mohrmann ist zuversichtlich, dass dies Kliniken davon abhalten wird, Patienten zu Hüft- oder Knieoperationen zu überreden, die einige Jahre auch noch gut mit einer konservativen Behandlung klar kämen, nur um Kasse zu machen. „Die Kosten für die Zertifikate würden die Rendite einer solchen OP senken. Gleichzeitig könnten Kliniken, die weniger operieren, die Einnahmen aus dem Zertifikatehandel nutzen, um Tarif- und Sachkostensteigerungen zu finanzieren.

„Sie müssten also nicht nach der Hilfe des Gesetzgebers rufen, der dann wieder mit der Gießkanne Geld auch für Häuser gibt, die gar keins brauchen.“ Er schlägt vor, den Zertifikatehandel zunächst bei Hüft- und Knie-OPs zu erproben. Hier wächst die Zahl der Operationen besonders schnell, seit 2003 um 51 Prozent bei Knieoperationen und um 18 Prozent bei Hüft-OPs.

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