Hypochondrie
Wenn die Angst vor der Krankheit zur Krankheit wird

Manche Krankheit ist so schlimm, dass der Gedanke daran schon Angst macht. Bei manchen Menschen wird diese Angst gar selbst zur Krankheit. Hypochondrie heißt die Diagnose – ein Leiden, dass sich mit der richtigen Therapie relativ gut in den Griff bekommen lässt.
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FRANKFURT/MAIN. Hunderttausende leiden daran. Aus dem Knoten im Magen wird ein wachsender Krebs, aus dem erhöhten Puls ein bevorstehender Herzinfarkt – zwar nur in der Einbildung, aber auch die kann das Leben schwer beeinträchtigen.

Hypochonder durchleben oft eine wahre Odyssee. Von einer Praxis zur anderen. Dass die Ärzte nichts finden, vermag nur kurzfristig zu beruhigen. Beim nächsten Schmerz geht es wieder von vorne los.

„Kernsymptom ist die Idee, an einer oft tödlich verlaufenden Krankheit zu leiden“, sagt die Marburger Psychologin Gaby Bleichhardt. Eine Idee, die meist mit extremen Ängsten verbunden ist. Eine Idee, bei der Ärzte im Grunde die falschen Ansprechpartner sind.

„Es kommt vor, dass die Leute zehn Jahre durchs medizinische System geistern, bis sie endlich beim Psychotherapeuten landen“, sagt Bleichhardt. Jahre, geprägt von unnötigen Arztbesuchen. Und von unnötigen Ängsten. Denn mit der richtigen Therapie lässt sich das Problem eigentlich relativ gut in den Griff bekommen.

Die Erfolgsraten liegen bei bis zu 80 Prozent. Einer frühzeitigen Diagnose stehen nach Ansicht der Expertin nicht zuletzt falsche Klischees im Wege: „Ärzte machen sich nicht beliebt, wenn sie sagen, das ist ein Fall für den Psychotherapeuten.“

Zunächst muss also erkannt werden, dass nicht der Tumor, sondern lediglich die Angst vor dem Tumor das Problem ist. Als Lösungsweg empfiehlt Bleichhardt die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei geht es im ersten Schritt darum, gedankliche Verbindungen zu durchbrechen – etwa die zwischen Magenschmerzen und „oh, das muss Magenkrebs sein“. Dem Patienten muss klar werden, dass ein leichter Schmerz viele verschiedene Ursachen haben kann.

Im zweiten Schritt geht es um Verhaltensmuster. Ist es wirklich sinnvoll, bei jedem Magenschmerz gleich eine Magenspiegelung machen zu lassen? Oder hält es die Krankheitsangst auf lange Sicht nur aufrecht? „Das ist wie beim Suchtpatienten“, sagt Bleichhardt, „die Abstände zwischen den Arztbesuchen werden immer kürzer“. Solches Verhalten müsse gemeinsam mit dem Patienten problematisiert werden.

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