Ich-Bewusstsein
Das Selbst im Gehirn

Jeder Mensch ist sich seiner Gedanken, Gefühle und Erinnerungen bewusst. Sie bilden das „Selbst“ einer Person, das nur schwer wandelbar erscheint. Hirnforscher versuchen, dieses Bewusstsein im Gehirn aufzuspüren.
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DÜSSELDORF. Dem neuronalen Unterschied zwischen „ich“ und „andere“ spüren Forschern seit einigen Jahren verstärkt nach. Das Magazin Gehirn&Geisst beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit den Ergebnissen dieser Bemühungen. Etwa mit den Forschungen von Knut Schnell von der Universitätsklinik Bonn.

Der Wissenschaftler konnte nachweisen, dass wir Reize, die als Folge eigener Handlungen entstehen, deutlich schwächer wahrnehmen als extern erzeugte. Dazu ließ er Testpersonen eigene und fremde Aktionen in einem Videospiel beobachten. Wie sich zeigte, wurden dabei bestimmte Hirnareale angesprochen, die als Planungs- und Kontrollinstanz für Handlungen bekannt sind. Sie mindern offenbar die Wahrnehmungsintensität bei selbst verursachten Sinneseindrücken – weshalb wir uns zum Beispiel nicht selber kitzeln können.

Die konkreten Eigenarten der Persönlichkeit von Menschen lassen sich heute bereits ansatzweise im Gehirn lokalisieren: Charakterzüge wie Ängstlichkeit, Impulsivität und Intelligenz bringen Forscher mit Unterschieden in der Hirnaktivität und -anatomie sowie im Erbgut in Verbindung. Turhan Canli von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York konnte 2005 zeigen, dass die Amydala, eine wichtige Emotionszentrale im Gehirn, bei Extrovertierten linksseitig vergrößert ist. Umgekehrt geht die Neigung zu negativen Gefühlen (auch „Neurotizismus“ genannt) rechtsseitig mit verringertem Amygdalavolumen einher.

Die Erregbarkeit des Belohungssystem – abhängig von der Art und Zahl der Rezeptoren für den „Glücksbotenstoff“ Dopamin – verstärkt die Neugier und Erlebnissucht von Menschen. Dafür sind bestimmte Genvariationen mitverantwortlich, die die Verfügbarkeit und Wirkung von Dopamin regulieren, wie etwa Martin Reuter und Kollegen von der Universität Bonn 2006 herausfanden. Das komplexe Wechselspiel von Genen, Gehirn und Umwelt, das individuelle Persönlichkeitsmerkmale entstehen lässt, ist allerdings noch weitgehend unerforscht.

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