Immer mehr Patienten setzen auf einfache Selbstdiagnose
Schnelltests bereichern die Hausapotheke

Schnelltests aus der Apotheke sind nicht nur was für Hypochonder. Wer einen regelmäßigen Gesundheitscheck durchführen und nicht immer gleich zum Arzt rennen möchte, um bestimmte Krankheiten auszuschließen, der kann sich das Testlabor nach Hause holen. Nahezu geräuschlos haben molekulare Diagnose- und Früherkennungssysteme aus der Apotheke einen neuen Markt erobert. Und immer neue Tests kommen hinzu.

DÜSSELDORF. Das jüngste Produkt des Herstellers Vitest ist ein Schnelltest für Diabetiker, der beginnende Nierenschäden erkennt. Bei jedem dritten Diabetiker kommt es zu schwerwiegenden Nierenschäden, wie die so genannte Prosit-Studie des Universitätsklinikums München belegt. Der knapp 20 Euro teure Urintest weist selbst geringe Mengen des Eiweißes Albumin nach, das als Frühindikator für Nierenerkrankungen gilt. Er ist laut Vitest derzeit der einzige zugelassene Test, der zu Hause ausgewertet werden kann.

Schon lange gibt es Verfahren, die zuverlässig den Blutzucker im Urin oder das Cholesterin messen. Und wer Magenprobleme hat, kann für rund 10 Euro testen, ob die so genannten Helicobacter-Bakterien daran schuld sind. Auch Herzinfarkttests im Do-it-your-self-Verfahren werden inzwischen angeboten. Diese sind jedoch umstritten. „Wer Herzprobleme hat, sollte nicht lange warten und wertvolle Zeit verlieren, sondern direkt zum Arzt gehen“, empfehlen die Experten der Deutschen Herzstiftung.

Die Genauigkeit der heute für viele Erkrankungen erhältlichen Schnelltests kann vielen Laborverfahren Paroli bieten. Und die Zuverlässigkeit wird immer weiter verbessert. Beispiel Früherkennung von Dickdarmkrebs: Im Rahmen der Krebsvorsorge gibt der Arzt heute seinen Patienten einen so genannten Haemocculttest mit nach Hause, der Blutspuren im Stuhl nachweist. Das ist jedoch kein spezifischer Krebstest, da er auch andere Darmerkrankungen wie Hämorrhoiden oder Entzündungen anzeigen würde.

Da lohnt es sich, in einen Test aus der Apotheke zu investieren. Der seit Juli 2003 verkaufte Schnelltest weist das tumorspezifische Enzym „Tumor M2-PK“ in der Stuhlprobe des Patienten nach. Das Protein ist ein entscheidendes Schlüsselenzym für die Regulation des Tumorstoffwechsels im menschlichen Körper. Mit dem Test können selbst Vorstufen von Darmkrebs, so genannte Adenome, ab einer bestimmten Größe erfasst werden. Er erzielt eine 85-prozentige Sicherheit bei der Diagnose, während mit herkömmlichen Verfahren lediglich 30 Prozent der Dickdarmkrebsfälle rechtzeitig erkannt werden.

Trotz der guten Diagnoseeigenschaften sind die Selbsttests nicht unumstritten. „Die Patienten wiegen sich oft in falscher Sicherheit oder geraten auf der anderen Seite vollkommen umsonst in Panik“, beschreibt der Kölner Allgemeinmediziner Michel Voss, der seit 1997 außerordentliches Mitglied der als unabhängig geltenden Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ist, eines der Hauptrisiken.

Ein weiteres Problem sei die mangelnde Kenntnis über Symptome und Begleiterscheinungen einer jeden Erkrankung, sagt Voss. Viele Selbsttester liefen Gefahr, im Falle eines positiven Ergebnisses die falschen Schlüsse zu ziehen. Zwar weisen alle Hersteller in den Beipackzetteln darauf hin, dass der Test keinen Arztbesuch ersetzen kann. „Die meisten Patienten lesen die Beipackzettel jedoch nur flüchtig oder gar nicht“, weiß der Kölner Mediziner aus eigener Praxiserfahrung.

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