Impfung ersetzt die Herzpille
Eine Spritze senkt den Bluthochdruck

Der Gedanke ist verlockend: Was bei Masern gelingt, müsste doch auch bei Bluthochdruck zu schaffen sein - ein kleiner Stich, der Impfstoff breitet sich im Körper aus, und das Blut des Patienten rauscht künftig mit optimalem Druck durch die Adern.

HANNOVER. Die Impfung für Hypertoniker, erproben Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an bundesweit 80 Patienten. "Wir hätten damit eine ganz neue Art der Behandlung. Die Patienten müssten nicht mehr regelmäßig Medikamente einnehmen, sondern wären mit der Impfung für einen längeren Zeitraum geschützt", sagt Hermann Haller, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen an der MHH.

Doch was bei Masern gut funktioniert, ist beim Blutdruck nicht ganz so einfach. Hier gilt es nämlich nicht, Antikörper gegen virale Eindringlinge zu aktivieren. Das Serum der Schweizer Biotechnologiefirma Cytos, einem 1995 gegründeten Spin-Off der ETH Zürich, muss das Immunsystem auf die Spur eines körpereigenen Stoffes locken, den es normalerweise nicht als feindlich erkennt.

Die Impfung richtet sich gegen das Hormon Angiotensin II, das für die Verengung von Gefäßen verantwortlich ist. Für das Serum werden Moleküle des Hormons in eine Virushülle verpackt. So wird ein großer Angiotensin-Komplex erzeugt, den das Abwehrsystem als körperfremd erkennt und angreift. "Die Antikörper fischen dann das im Blut zirkulierende Angiotensin II heraus", erklärt Jan Menne, Leiter der Studie. Die schädigende Wirkung des Hormons - das Engstellen der Gefäße - bleibt aus. Der Blutdruck sinkt.

Menne ist optimistisch: "Wenn die Studie positiv verläuft, könnte der Impfstoff in fünf Jahren auf den Markt kommen." Ein Jahr lang wird der Mediziner seine Patienten nun beobachten. Wenn alles glatt läuft, kann anschließend in einer größeren Studie an mehreren tausend Patienten die nächste Runde eingeläutet werden.

Bedarf gibt es reichlich. Eine Hypertonie-Impfung hätte das Zeug zum Blockbuster, denn Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit in Industrieländern. Nach Angaben der deutschen Hochdruckliga (DHL) sind allein in Deutschland bis zu 20 Millionen Menschen betroffen, ab dem 60. Lebensjahr fast jeder Zweite. Weltweit gibt es nach Expertenschätzungen eine Milliarde Hypertoniker, Tendenz steigend. Etwa drei Viertel von ihnen kämen für die Impfung in Frage, so Menne.

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