Infektionsbiologe Dirk Werber
„Uns fehlt bei Ehec die Information“

Vor rund einem Jahr begann die Ehec-Epidemie, die in Deutschland 53 Menschen das Leben kostete. Dirk Werber, Infektionsbiologe am Berliner Robert Koch-Institut, erklärt, wie sich Epidemien schneller erkennen lassen.
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Frage: Seit August 2011 gab es nachweislich mehrere Todesfälle durch den Ehec-Erreger. Bestand ein Zusammenhang zur Epidemie?

Dirk Werber: Nein. Wir haben keinen Hinweis darauf, dass Todesfälle nach dem Ende der großen Ehec-O104-Epidemie mit diesem Ausbruchsgeschehen in Verbindung stehen. In der Meldekategorie Ehec verzeichneten wir seitdem fünf Todesfälle, davon zwei im Jahr 2012. Betroffen waren nur Erwachsene. In einem Fall konnte Ehec der Serogruppe O91 nachgewiesen werden. In der Meldekategorie HUS gab es drei Todesfälle, davon zwei in 2012. Betroffen waren zwei Kinder und ein Erwachsener. Bei einem Kind konnten Ehec der Serogruppe O157 nachgewiesen werden.

Sie wissen also gar nicht immer, welcher Ehec-Stamm hinter einem Krankheits- oder Todesfall steckt?

Da liegt das Grundproblem. Die Diagnostik wird nicht immer so weit durchgeführt, wie wir Epidemiologen das gerne hätten. Selbst bei den Fällen, die wir dem Ausbruch zurechnen, haben wir nur bei einem Viertel wirklich den Nachweis über den Ausbruchsstamm O104.

Woran liegt das?

Um Hinweise auf eine Ehec-Infektion zu erhalten, muss ein Labor nicht notwendigerweise eine Kultur isolieren und die Serogruppe bestimmen - das ist zum Beispiel dieses O104. Also wird sie nicht immer bestimmt, obwohl die Krankenkassen das vergüten würden. Viele Labore testen auf das Toxin oder das Toxin-Gen, das den Ehec-Erreger charakterisiert. Wenn das nachgewiesen ist, sagen sie: Nun wissen wir ja, dass da Ehec drin ist. Sie isolieren nicht noch extra den Stamm, was auch gar nicht so einfach ist, und bestimmen auch nicht die Serogruppe. Deswegen ist es für uns in solchen Fällen relativ schwierig zuzuordnen, ob ein Fall zu einem Ausbruch gehört oder nicht. Uns fehlt häufig die nötige mikrobiologische Information.

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„Uns fehlt bei Ehec die Information“

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„Das Krankheitsbild ist in der Regel unspezifisch“

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