Inhaltsstoffe der Kakaobohne fördern Gesundheit
Schokopillen gegen Demenz, Diabetes und Schlaganfall

Wenn es nach den Wünschen des Süßwarenherstellers Mars Inc. geht, könnten bestimmte Inhaltsstoffe von Schokolade schon bald in Pillenform erhältlich sein. Das Unternehmen sei in „ernsthaften Gesprächen mit großen Pharmaunternehmen“, bestätigte eine Sprecherin des Konzerns.

SAN FRANCISCO. Ziel sei die Entwicklung von auf Kakaobestandteilen basierenden Arzneimitteln, die Diabetes, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen lindern sollen. Die Medikamente sollen die Vorzüge der Flavonoide – pflanzlichen Stoffen, denen antioxidative Eigenschaften und Schutz vor Gefäßverengung nachgesagt werden – nutzen. Mars will sich zunächst vor allem auf Flavanole, eine Untergruppe der Flavonoide, konzentrieren, die einen ähnlichen blutverdünnenden Effekt wie Aspirin haben sollen. Ähnliche Stoffe wurden auch in grünem Tee und Rotwein nachgewiesen. Wer die Kakaopillen schlucken will, muss sich allerdings gedulden: Frühestens in fünf bis sieben Jahren sollen die ersten Arzneimittel erhältlich sein.

Die Anstrengungen, die Mars in diese Forschung steckt, sind beachtlich: Über einen Zeitraum von 15 Jahren hat Mars mehr als 15 Mill. Dollar investiert. Jetzt soll das Wissen mit Partnern aus der Pharmaindustrie weiterentwickelt werden. Wer für ein Joint-Venture oder Lizenzvereinbarungen in Frage kommt, ist allerdings noch geheim.

Schokolade als Medizin? Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Doch mehren sich Hinweise auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Leckerei, von der ein Deutscher im Schnitt acht Kilo pro Jahr verspeist. So zeigte eine Studie an der Georgetown University in Washington, D.C., die von Mars finanziell unterstützt wurde, dass das Wachstum von Krebszellkulturen zumindest im Reagenzglas von Kakaoinhaltsstoffen verlangsamt wurde. Der Autor der Studie, Robert Dickson, betont, dass das nicht bedeute, dass der Verzehr von Schokolade vor Krebs schützt. Doch die Inhaltsstoffe könnten erste Hinweise auf neue Behandlungsmethoden geben, die allerdings in weiteren Studien bestätigt werden müssten.

Weitere Studien an der Harvard University und der University of California at Davis, die ebenfalls von Mars unterstützt wurden, zeigten, dass Inhaltsstoffe der Kakaobohne vor Gefäßerkrankungen schützen können. Von Mars unabhängige Untersuchungen brachten ähnliche Ergebnisse: So zeigte eine kleine Studie mit elf Teilnehmern an der University of California, dass der Verzehr von 46 Gramm Schokolade täglich über einen Zeitraum von zwei Wochen die Gefäßwände elastischer macht und somit Herzkrankheiten vorbeugen kann. Eine Untersuchung an der Cornell University ergab, dass eine Tasse Kakao rund zweimal so viele pflanzliche Antioxidationsstoffe enthält, wie ein Glas Rotwein und dreimal so viele wie eine Tasse grüner Tee.

Doch es gibt skeptische Stimmen. „Die bisherigen Studien haben nicht eindeutig gezeigt, dass Flavonoide das Risiko für Krebs und Herzerkrankungen auch in Menschen reduzieren“, sagt Bonnie Liebman, Direktorin für Ernährung in der Verbraucherschutzorganisation Center for Science in the Public Interest. Das bedeute nicht, dass Schokolade keine gesundheitsfördernde Wirkung habe, sondern nur, dass die Wirkung noch nicht erwiesen sei.

„Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, und es ist durchaus möglich, dass nichts dabei heraus kommt“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Sie sieht die Gefahr darin, dass manche Leute die unsicheren Forschungsergebnisse als Aufforderung werten, mehr Schokolade zu essen. „Gerade hier in den USA, wo ein großer Teil der Bevölkerung mit Übergewicht kämpft, ist das das Letzte, was wir brauchen“, sagt sie. Schließlich hat Schokolade hohe Mengen an Fett und Zucker, was wiederum Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann.

Auch Mars-Sprecherin Marlene Machut rät davon ab, Schokolade zum Hauptnahrungsmittel zu machen, zumal die Flavonoide vielfach beim Fertigungsprozess zerstört werden. Machut mahnt: „Schokolade ist gewiss keine Gesundheitskost“. Sie betont, dass die Entwicklung der Medikamente unabhängig vom Süßigkeiten-Geschäftsbereich sei. Wer also glaubt, künftig ein paar M&Ms statt bitterer Pillen schlucken zu können, hat sich getäuscht.

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