Interview mit einem Notfallmediziner
„Im Notfall hat man höchstens 30 Sekunden“

Torsten Schröder ist Anästhesist an der Charité in Berlin. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit dem OP-Simulator und über die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Herstellern von Medizintechnik.
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Fließen die Erfahrungen aus dem Simulations-OP auch zurück zu den Herstellern der medizintechnischen Geräte?

Wir haben Kooperationen mit Herstellern von Medizintechnik, die oft in ihren Entwicklungsabteilungen schon gar keinen Mediziner mehr haben. Das sind meist Medizintechniker und Ingenieure. Mediziner werden oft von extern dazu gebeten.

Aber die Entwicklung von Medizintechnik erfolgt eigentlich nicht mehr aus dem Bedarf des Arbeitsplatzes heraus. Die Firmen kommen in unseren Simulations-OP, um sich ein Bild zu machen, wie zum Beispiel ein hochmodernes Beatmungsgerät im Arbeitsalltag eingesetzt wird. Wir hoffen, dass wir dadurch Einfluss haben auf zukünftige Entwicklungen und dass die Hersteller praktisch berücksichtigen, was wir Ärzte uns am Arbeitsplatz wünschen.

An die Praktikabilität welcher Geräte denken Sie da?

An Spritzenpumpen zum Beispiel. Das sind Dosierpumpen, die zur sehr fein dosierten, kontinuierlichen Verabreichung von Medikamenten eingesetzt werden. Bis zu 10 Stück können zu einem Turm kombiniert sein. Im Notfall kann es passieren, dass man so eine Pumpe sehr schnell bedienen muss. Wenn man sich erst durch 100 Klicks an die richtige Menüebene des Gerätes rantasten muss, um die Dosis zu ändern, dann sind solche Medizingeräte unpraktikabel.

Wenn Ingenieure von Medizintechnik-Herstellern zu uns ins Simulationstraining kommen, mache ich mit denen gerne einen kleinen Wettbewerb. Sie müssen eine vorgegebene Dosis eines Medikamentes mit der von ihnen entwickelten Pumpe applizieren. Inklusive der Berechnung der Dosis auf das Körpergewicht bezogen, liegen viele bei einer guten Viertelstunde, bis das Medikament läuft. Wenn das ein echter Notfall ist, darf es höchstens 30 Sekunden dauern.

Welche Missverständnisse treten aus Ihrer Erfahrungen häufig während der Teamarbeit im Notfall-OP auf?

Am häufigsten sind Medikamentenverwechslungen, die auf ein Missverständnis zurückzuführen sind. Wenn ich sage: Gib mal 10 Dormicum! - dann kann ich 10 Milligramm oder 10 Milliliter meinen. Wenn der Adressat nicht nachfragt, nimmt er das, was er glaubt, was ich gemeint haben könnte. Solche kommunikativen Missverständnisse passieren oft. Sie  kann man aber bei Simulationstrainings hier gut abbilden und dann besprechen. 

Sollten alle Ärzte –  nicht nur solche in Ausbildung  – regelmäßig durch Simulationstrainings lernen?

Ich merke, dass die Nachfrage immer größer wird und Lernen etwas mit Motivation zu tun hat. Das Wichtige ist, dass man sich durch den Perfektionismus „Ich muss jetzt alles können“ auch verbaut, in bestimmten Bereichen noch etwas dazu zu Lernen.

Gerade in unserem Beruf ist lebenslanges Lernen enorm wichtig. Das Schlimme ist, wenn es aufhört. Diejenigen sind dann frustriert und berufsmüde. Jeder, der sich offen hält, dazu zu lernen und zugeben kann, dass er auch Fehler macht, wird den Fehler kein zweites Mal machen.

Herr Schröder, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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