Interview zu Darmbakterien "EHEC wird uns nicht über Wochen verfolgen"

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Wenn für Sie, Herr Professor Scherer, Fleisch als ein Überträger in Frage kommt: Kann es denn sein, dass ein einzelner Nahrungsmittelhersteller dafür verantwortlich ist? Es wäre nicht der erste Fleischskandal in Deutschland. Halten Sie so etwas für wahrscheinlich?

Man muss da vorsichtig sein, da Fleisch normalerweise nicht roh verzehrt wird. Übers Fleisch kann es nur dann zu einer Infektion kommen, wenn das Fleisch nicht gegart wurde. Sobald das Fleisch richtig gegart wurde, sind die EHEC-Bakterien tot und können keine Erkrankung auslösen. Jetzt müsste man fragen, wenn es wirklich ein Fleischproduzent gewesen wäre – weshalb viele Leute bei der Zubereitung der Fleischprodukte einen großen Fehler gemacht haben, weil sie ihr Fleisch nicht durchgegart haben. Das kann man zwar nicht ausschließen. Ich halte es jedoch für unwahrscheinlich.

Nun gibt ja auch Lebensmittelketten, bei denen Menschen täglich fertig zubereitete Speisen konsumieren. Dort können sie nicht überprüfen, ob das Essen gut durchgegart war.

Wenn man zubereitetes Essen als Fertigmahlzeit kauft, sollte man als Konsument eigentlich ausschließen können, dass dort nichtgegarte Produkte verkauft werden. Das hielte ich dann für einen Produktionsfehler. So etwas kann man nicht ausschließen. Nun sind die Fälle aber nicht an einem einzigen Ort passiert. Zwar häuft es sich wohl in Norddeutschland, es scheint aber auch etwas südlicher Fälle zu geben. Da halte ich es für unwahrscheinlich, dass es ein Hamburgerproduzent an einem Ort gewesen sein könnte.

Was steht uns denn noch bevor, stehen wir vielleicht erst am Anfang dieser Erkrankungsserie? Wir sind aus den vergangenen Jahren ja einiges gewohnt.

Es ist unwahrscheinlich, dass uns die EHEC-Fälle über Wochen und Monate verfolgen, wie es damals etwa bei Schweine- und Vogelgrippe war. Das sind unterschiedliche Dinge. Das eine sind Viren, hier haben wir es mit Bakterien zu tun. Was immer die Krankheiten verursacht hat, ob es nun ein Fertigsalat war oder ein Fleischprodukt. Es müsste sehr weit verbreitet sein und es müsste erheblich kontaminiert worden sein. Normalerweise passiert so etwas in einer Produktionscharge, vielleicht noch in zweien. Es ist unwahrscheinlich, dass es viel mehr hintereinander sind. Wenn das Nahrungsmittel dann ausverkauft ist und neue Produktionschargen auf den Markt kommen, dann nimmt auch die Zahl der Fälle wieder ab. Denn EHEC-Erreger sind nicht, wie etwa Influenzaviren, bevorzugt von Mensch zu Mensch übertragbar. Das ist kein bevorzugter Übertragungsweg dieses Bakterienstammes. Darum glaube ich nicht, dass wir es hier mit einem EHEC-Supergau zutun bekommen.

Neben rohem Fleisch oder Rohmilch kommen auch ungewaschenes Obst und Gemüse als Infektionsquelle infrage. Quelle: dpa

Neben rohem Fleisch oder Rohmilch kommen auch ungewaschenes Obst und Gemüse als Infektionsquelle infrage.

(Foto: dpa)

  • Rafael Bujotzek
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