Jagd nach Rekorden
Die Grenze des Menschenmöglichen

„Höher, schneller und weiter“ heißt das Ziel der Athleten bei den Olympischen Spielen. Doch die Fähigkeiten des menschlichen Körpers sind beschränkt. Für Sportwissenschaftler eine besonder Herausforderung: Sie suchen permanent nach neuen Wegen, um Leistungen mit legalen Mitteln zu steigern. Das neue Zauberwort heißt Individualismus.

DÜSSELDORF. Glaubt man Forschern wie Jean-François Toussaint, ist in vielen Sportarten mit neuen Weltrekorden kaum noch zu rechnen: Der Biomediziner hatte Anfang des Jahres ausgerechnet, dass etwa die 100-Meter-Läufer die Grenzen des Menschenmöglichen bereits erreicht hätten.

Tatsächlich werden in manchen Disziplinen seit Jahren die Abstände zwischen den Weltrekorden kleiner. „Das lässt vermuten, dass hier Grenzen existieren“, sagt Wilfried Alt von der Universität Stuttgart. „Aber wir wissen nicht, wo diese Grenzen liegen; das können wir höchstens schätzen.“ Die Grenzdiskussion komme überall dort auf, wo die Leistungen der Athleten konkret gemessen werden könnten, etwa beim Laufen oder beim Hochsprung, erläutert der Sportwissenschaftler: „Keiner redet über die Grenzen beim Fußball.“

Gemeinsam mit seinen Kollegen versucht Alt herauszufinden, wie man die Leistungsfähigkeit von Sportlern auf legalem Weg steigern kann. Die Forscher setzen auf optimiertes Training und psychologische Betreuung der Athleten im Stuttgarter Olympiastützpunkt. Doch um eine Trainingsempfehlung geben zu können, müssen sie zunächst einmal die „individuelle Belastungsgröße“ finden: Sie versuchen, den Leistungsstand der Sportler zu erfassen.

Die Stuttgarter haben eigens dafür Messplätze entwickelt, an denen zum Beispiel die Kraftleistungen von Turnern an den Ringen untersucht werden können. Immerhin brächten die schwierigsten Übungen oft die meisten Punkte, erklärt Alt. „Aber sie sind natürlich nicht so leicht zu erlernen. Dazu muss man monatelang spezielle Kräfte aufbauen.“

Die Forscher analysieren deshalb genau, welche Muskeln ein Sportler für die Übung braucht und in welchem Verhältnis sie zusammenarbeiten. Dann vergleichen sie das Ideal mit dem Belastungsprofil eines bestimmten Turners, der anschließend mit gezieltem Training seine Defizite beheben soll.

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