Jung und HIV-positiv
„Es hat mich umgehauen“

Auch nach Jahren intensiver Aufklärung bleibt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Immunschwäche-Erreger HIV hoch. Besonders betroffen sind die Jüngeren.

BerlinDoreen (33) strahlt. Das liegt nicht nur an ihrer Vorliebe für Pink, die sich an diesem Tag in dem modischen Flanellhemd, Lidschatten und Rouge zeigt, sondern vor allem an ihren lachenden Augen. „Mir geht es echt gut. Ich genieße heute das Leben mehr als vorher“, sagt die junge Frau, die seit acht Jahren mit dem Befund HIV-positiv lebt und jeden Tag Tabletten schluckt, um den Immunschwäche-Erreger in Zaum zu halten.

Acht weitere Jahre hat Doreen von der Infektion nicht mal etwas geahnt. Angesteckt hatte sie sich bei ihrer ersten großen Liebe mit 17 Jahren. Zehn Monate waren die beiden zusammen, verhüteten nach einiger Zeit mit Pille statt mit Kondom. „Dass er nebenher noch andere Affären hatte, hab ich erst später erfahren“, sagt Doreen. Heute kann sie das mit einem Lächeln tun. „Damals hat es mich umgehauen, als ich von der Diagnose erfuhr. Ich konnte es mir überhaupt nicht vorstellen, dass HIV oder Aids etwas mit mir zu tun haben sollten.“

In der Tat: Als junge Frau mit festem Freund gehört Doreen zur kleinsten Gruppe derer, die sich mit dem Aids-Erreger infizieren. Nach wie vor sind es vor allem – junge – Männer, die Sex mit Männern haben. Und auch nach Jahren intensiver Aufklärung bleibt die Zahl der Neuinfektionen hoch: 2012 haben sich etwa 3.400 Menschen mit HIV infiziert, drei Viertel davon schwule Männer, schätzt das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Hinzu kommen etwa 14.000 HIV-Positive, die noch nichts von der Infektion wissen – weil sie keinen Test gemacht haben. Insgesamt lebten in Deutschland Ende 2012 schätzungsweise 78.000 Menschen mit HIV oder Aids.

„Das HIV-Virus hat wegen der neuen Therapien für viele ein Stück des Schreckens verloren. Und gerade die jüngere Generation hat das große Sterben nicht mehr mitgekriegt“, nennt RKI-Expertin Viviane Bremer als Grund. Inwieweit sich tatsächlich beim Sex wieder größere Sorglosigkeit und ein höheres Risikoverhalten breitmachen, kann derzeit aber nur vermutet werden. Konkrete Zahlen gibt es im kommenden Sommer: Dann wird das RKI eine aktuell laufende Internetbefragung ausgewertet haben, in der homosexuelle Männer Auskunft geben über die Zahl ihrer Sex-Partner, Praktiken und Schutzverhalten.

Neu daran: Alle Teilnehmer erhalten einen Gutschein für einen unkomplizierten Bluttest. „Das ist ein Benefit und hilfreicher Anstoß für die Männer. Und es ist hilfreich für uns, denn wir bekommen belastbare Zahlen darüber, wie hoch der Anteil der Befragten ist, die infiziert sind und nichts davon wussten“, sagt Bremer.

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Jeder 25. Infizierte weiß nichts davon

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