Kampf gegen Fettleibigkeit
Hormone zügeln den Appetit

Das Urteil ist schnell gefällt: Wer unmäßig dick ist, futtert zu viel Fettes und bewegt sich wenig. Doch so einfach ist es nicht. Im Gegenteil: Wissenschaftler rätseln immer noch über die genauen Abläufe im Körper, die extreme Fettleibigkeit begünstigen.

HB SAN FRANCISCO. Vor kurzem entdeckten Wissenschaftler an der Stanford University im kalifornischen Palo Alto das Hormon Obestatin das zumindest bei Ratten die Nahrungsaufnahme und das Gewicht verringert. Normalgewichtige Nager, denen das Hormon gespritzt wurde, fraßen nur noch halbe Portionen und verloren innerhalb von acht Tagen 20 Prozent an Gewicht.

Eine Entdeckung, die Hoffnungen weckt. Schließlich betrifft krankhaftes Übergewicht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mindestens 300 Millionen Menschen. Lebensbedrohliche Herz-Kreislauferkrankungen sowie Diabetes sind häufige Folgen der Fettleibigkeit. Noch gibt es keine Pillen, die das Gewicht zuverlässig, dauerhaft und ohne schädliche oder unangenehme Nebenwirkungen reduzieren, doch Forscher und Pharmaunternehmen sind entschlossen, ein solches Medikament innerhalb der nächsten zehn Jahre zu entwickeln.

„Wir waren sehr überrascht, dass das Hormon Obestatin den Appetit zügelt“ sagt Aaron Hsueh, Hauptautor der Studie, die in der Wissenschaftspublikation Science veröffentlich wurde. Denn Obestatin ist dem bereits bekannten Hormon Ghrelin, das Hungergefühle auslöst, in der Molekülstruktur sehr ähnlich und wird vom gleichen Gen kodiert. Möglicherweise agieren beide Hormone als Gegenspieler und regulieren so das Körpergewicht.

Matthias Tschoep, deutscher Professor an der University of Cincinnati, warnt allerdings vor zu großem Überschwang: „Wir beginnen erst, die Systeme, die das Körpergewicht steuern, zu verstehen“, sagt er und erinnert an die Entdeckung des Hormons Leptin im Jahr 1994, das zunächst als Schlüssel zum schnellen Abnehmen galt, zusätzliche Hormongaben sich dann aber bei Menschen als weitgehend wirkungslos erwiesen. Wenn Obestatin auch beim Menschen den Appetit zügelt und keine Nebenwirkungen hat, werde es noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis ein entsprechendes Medikament marktreif ist, meint Tschoep. Die Obestatin-Forschung wurde von Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development LLC unterstützt. Das Unternehmen hat die Rechte an den Forschungsergebnissen.

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