Karies-Behandlung schmerzfrei
Strom soll den Zahnarztbohrer ersetzen

Britische Forscher haben eine Alternative zur klassischen Zahnbehandlung entwickelt. Statt auf Spritze und Bohrer setzen sie die Mediziner des Londoner King's College auf eine schmerzfreie Strombehandlung.
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BerlinKaries gehört zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt: In Deutschland etwa ist die Zahnfäule laut Robert-Koch-Institut die Volkskrankheit Nummer eins, noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um dem Zerstörungswerk der Kariesbakterien entgegenzuwirken, greifen Zahnärzte üblicherweise zu Spritze, Bohrer und Füllmaterial. Eine Therapie, die vielen Menschen den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Für alle von Dentalphobie, also der krankhaften Angst vor dem Zahnarzt, Betroffenen kommt jetzt frohe Kunde aus Großbritannien: Forscher des King’s College in London haben ein Verfahren entwickelt, um Zahnschäden ohne Bohrer und Füllung zu reparieren. Stattdessen setzen sie auf Strom und die Selbstheilungskräfte des Zahns.

Die von Forschern um den Dentisten Nigel Pitts entwickelte Technik führt dem Zahn mittels leichter Stromstöße verstärkt Kalzium und Phosphate zu und unterstützt so dessen Selbstheilung. Die Strommenge ist so gering bemessen, dass der Patient die Behandlung nicht spürt. Nützlicher Nebeneffekt: Die Methode eignet sich auch, um Zähne weißer zu machen.

„Unsere Methode ist nicht nur schonender für den Patienten“, erläutert Pitts, „sondern wird voraussichtlich auch nicht teurer sein als eine gewöhnliche Zahnbehandlung.“ Für die Vermarktung ihrer Electrically Accelerated and Enhanced Remineralisation (EAER) genannten Methode haben die Londoner bereits ein eigenes Unternehmen gegründet. In spätestens drei Jahren soll die neue Technik marktreif sein.

Ganz auf den Bohrer verzichten können Zahnärzte allerdings auch in Zukunft nicht. Denn die Behandlung, das räumte Pitts im Gespräch mit der BBC ein, eignet sich vor allem für Kariesschäden in einem frühen Stadium. Gegen ein klaffendes Loch im Endstadium helfen daher auch künftig wohl nur Bohrer und Füllung.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
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