Kinderwunsch-Messe: Nur liquide müssen sie sein

Kinderwunsch-Messe
Ein Baby um jeden Preis

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Nur liquide müssen sie sein

Dorthin aber bauen die Kinderwunschtage Paaren nun die Brücke, ausdrücklich auch Homosexuellen. Nur liquide müssen sie sein. Eine Eizellenspende im mittleren Preissegment etwa koste in den USA zwischen 40.000 und 45.000 Dollar (37.000 und 42.000 Euro), inklusive Behandlung sowie Vergütung für die Spenderin, rechnet Reisser vor. Günstiger sind Kliniken in Spanien, Polen oder Tschechien. Diese gelten bei Deutschen bislang als die gängigeren Ziele.

Die Veranstalter wissen um die rechtliche Problematik. Wie deren Berater, Rechtsanwalt Holger Eberlein, sagte, könnten Ärzte wegen Beihilfe belangt werden, wenn sie über verbotene Verfahren mehr als nur informieren würden. Die Messe bemüht sich daher um einen wissenschaftlichen Charakter und hat einen umfassenden Seminarplan.

„Ich sehe das mit gemischten Gefühlen“, sagte Reproduktionsmediziner Hilland. „Infos sollte man weitergeben dürfen“ – aber er sieht einen hohen Grad an Kommerzialisierung, besonders bei den US-Einrichtungen. „Da ist die Frage, wie weit will man es mit den Hoffnungen von Paaren treiben?“ Der BRZ habe sich angesichts dessen gegen einen Stand bei den Kinderwunschtagen entschieden.

Veranstalter ist eine Firma aus Großbritannien, die dort seit einigen Jahren mit „Shows“ am Markt ist - Gesundheitsmessen für Produkte und Leistungen zu Themen wie Allergien oder eben Fruchtbarkeit. Sie will in einer Zeit, in der Betroffene in der Info-Flut im Internet leicht die Orientierung verlieren, mit persönlichem Kontakt punkten.

Der Markt hierzulande hat jedenfalls Wachstumspotenzial: Bislang nutzen die meisten Kinderlosen gar nicht erst Kinderwunschbehandlungen – und wenn doch, dann spät als Ultima Ratio, wie es in einer Studie des Bundesfamilienministeriums heißt.

Daten aus dem sogenannten IVF-Register zeigen: Wenn Patientinnen eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen, sind sie inzwischen im Schnitt 35,2 Jahre alt - etwa 2,5 Jahre älter als Patientinnen 1997. Die besonders fruchtbare Zeit ist bei Frauen mit Mitte 30 allerdings schon um Jahre überschritten. Wenn es dann zum Beispiel auch im Reagenzglas nicht klappt, kann es für eine Adoption im Inland zu spät sein. Und was bleibt dann - außer aufgeben oder dem Weg ins Ausland?

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig und können in Kombination auftreten. Verspätete Familienplanung, chronische Krankheiten und Fruchtbarkeitsstörungen kommen zum Beispiel in Frage. Frauenärzte verweisen Paare auf Wunsch an Reproduktionsmediziner.

Je nach Ursache für die Kinderlosigkeit stehen spezifische Therapien zur Verfügung, von Medikamenten zur Hormoneinstellung bis hin zu künstlichen Befruchtungen. Allerdings gibt es insbesondere bei Verfahren mit Stimulationstherapie das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften. Auch Fehlgeburten kommen vor. Unter bestimmten Umständen können Paare in manchen Bundesländern eine finanzielle Unterstützung für die oft kostspieligen Behandlungen bekommen.

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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