Klinik unter Quarantäne
Neue Ebola-Todesfälle erschüttern Mali

Mali hatte gehofft, dass es nach dem ersten Ebola-Fall im Land die Lage unter Kontrolle hat. Doch zwei neue - und völlig unerwartete - Todesfälle lassen die Sorge vor einem Übergreifen der Epidemie wieder wachsen.
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BamakoIn Mali sind zwei weitere Menschen an Ebola gestorben. Ein aus dem benachbarten Guinea stammender Mann und eine Krankenschwester, die ihn behandelte, seien nach ihrem Tod positiv auf das Virus getestet worden, sagte Kommunikationsminister Mahamadou Camara am Mittwoch. Erst tags zuvor hatten die Gesundheitsbehörden des westafrikanischen Landes erklärt, nach dem bisher einzigen Todesfall durch das Virus gebe es keine neuen Infektionen - geschweige denn Tote.

Der Mann starb am Montag in der Clinique Pasteur in der Hauptstadt Bamako, die Krankenschwester am Dienstag. Auf die Frage, warum die beiden nicht als Ebola-Verdachtsfälle geführt wurden, sagte Krankenhausdirektor Dramane Maiga, der Mann sei am 25. Oktober spätabends in die Klinik gekommen und damals schon so krank gewesen, dass er seine Symptome nicht habe schildern können. „Seine Familie gab uns nicht alle Informationen, die unseren Verdacht auf Ebola gelenkt hätten“, sagte Maiga der Nachrichtenagentur AP.

Guinea, das Heimatland des Patienten, ist neben Liberia und Sierra Leone das am schwersten von der Epidemie betroffene Land. Insgesamt starben in den drei Staaten rund 5000 Menschen. Für Mali sind die neuen Fälle ein schwerer Rückschlag bei der Eindämmung des Virus in der Region.

Bei der 25-jährigen Krankenschwester hätten die Behörden langsam reagiert, sagte Maiga weiter. Sie sei am Samstag stationär aufgenommen worden, das Krankenhaus habe aber das Gesundheitsministerium erst am Montagmorgen informiert. Abends seien dann Ministeriumsvertreter in die Klinik gekommen und als die Testergebnisse zurückkamen, sei die Frau bereits tot gewesen.

Auch die bisher einzige Ebola-Tote in Mali, ein zweijähriges Mädchen, war aus Guinea eingereist. Weil sie bei ihrer Busreise offenbar aus der Nase blutete, hatten die Behörden weitere Ansteckungen befürchtet. Bei 29 Familienangehörigen, die in Bamako wegen möglicher Symptome unter Beobachtung standen, konnte am Dienstag - nach Ablauf der 21-tägigen Inkubationszeit von Ebola - aber Entwarnung gegeben werden.

In Kayes im Westen Malis, wo das Kind schließlich starb, standen noch 50 weitere Personen unter Beobachtung. Sie sollten aber bis Sonntag aus der Quarantäne entlassen werden, wenn sie weiterhin keine Symptome zeigten, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Bei den beiden neuen Todesfällen gab es keine Hinweise auf eine Verbindung zu dem Mädchen.

Zuletzt hatten Berichte über einen Rückgang bei den Neuinfektionen die Hoffnung aufkommen lassen, dass der Höhepunkt der Epidemie vorbei sein könnte. Doch Fälle wie die neuen in Mali zeigen, wie schlecht kalkulierbar die Seuche in der Region ist.

„Wir sind noch nicht an einem Punkt angelangt, wo wir sagen können, dass wir über den Berg sind, nicht einmal in Liberia“, sagte Andy Gleadle vom International Medical Corps, der ein Ebola-Behandlungszentrum in dem westafrikanischen Staat betreibt und noch weitere dort und in Sierra Leone eröffnen will. Dafür ist allerdings Finanzierung nötig. Der für die Freigabe von Budgetmitteln zuständige Senatsausschuss wollte am Mittwoch Vertreter der US-Regierung zu einem von Präsident Barack Obama beantragten Ebola-Notfallpaket in Höhe von 6,2 Milliarden Dollar befragen. Ein Teil davon soll auch nach Westafrika gehen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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