Kontroverse Studie in Thailand
Erster Impf-Erfolg gegen Aids

In einer thailändischen Studie hat der erste HIV-Impfstoffkandidat eine Wirksamkeit beim Menschen gezeigt. Die Wissenschaftler rätseln aber, warum die Impfung überhaupt erfolgreich war.

HB WASHINGTON/GENF. Erstmals hat eine Impfung gegen Aids Erfolg gezeigt. Thailändische und US-Wissenschaftler teilten am Donnerstag mit, ein Versuchs-Impfstoff habe das Risiko einer Ansteckung mit dem HI-Virus um etwa einem Drittel gesenkt. Bislang waren alle Versuche dieser Art beim Menschen gescheitert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Aidsprogramm Unaids sprachen von einem entscheidenden Schritt nach vorn, die Deutsche Aids-Stiftung gar von einem Durchbruch. Experten zufolge ist aber fraglich, ob der Ansatz der anfänglich umstrittenen Studie des US-Militärs bei allen Risikogruppen angewandt werden kann. Wissenschaftler können sich zudem nicht erklären, warum der Impfstoff wirkt.

Die von der US-Armee in Auftrag gegebene Studie wurde vom thailändischen Gesundheitsministerium umgesetzt. An ihr nahmen 16.402 heterosexuelle Thailänder ohne besondere Risikofaktoren teil. Den Freiwilligen wurden über sechs Monate hinweg sechs Impfungen verabreicht: vier mit dem genetisch veränderten Virus ALVAC von Sanofi-Pasteur und zwei mit dem Aids-Impfstoff AIDSVAX, das 2003 allein keine Wirkung gezeigt hatte.

In der Gruppe der Geimpften sei es zu 51 HIV-Infektionen gekommen, erklärte einer der Versuchsleiter, Jerome Kim vom Walter Reed Militärkrankenhaus im US-Bundesstaat Maryland. In der mit einem Placebo geimpften Kontrollgruppe hätten sich dagegen 74 Personen infiziert. Damit gab es nach Angaben des Herstellers Sanofi-Pasteur in der Testgruppe mit dem Impfstoff 31,2 Prozent weniger HIV-Infektionen als in der mit dem Placebo.

Hochrechnen der Ergebnisse nicht möglich

Aus diesen Zahlen lässt sich aber nicht schlussfolgern, dass der Impfstoff flächendeckend eingesetzt jeden dritten Menschen vor Aids schützen könnte. Die Zahlen der Infizierten aus den Vergleichsgruppen sind zu gering, um sie auf die Gesamtbevölkerung hochzurechnen. Hinzu kommt, dass es bei dieser Studie dem Zufall unterlag, wer sich mit dem HI-Virus infizierte.

"Obwohl der Schutzgrad offensichtlich mäßig ist, stellt die Studie einen großen wissenschaftlichen Fortschritt dar", sagte Versuchsleiter Jerome Kim. Der Rückgang der HIV-Infektionen durch den Impfstoff sei zwar nur moderat, aber statistisch deutlich, sagte auch Michel DeWilde vom Hersteller Sanofi-Pasteur: „Das ist der erste konkrete Hinweis seit der Entdeckung des Virus 1983, dass ein Impfstoff gegen HIV irgendwann einmal realisierbar wird.“ Weitere Arbeiten seien nötig, um einen Impfstoff zu entwickeln, der zugelassen und weltweit genutzt werden könne.

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