Krebsforschung
Drei Gene sind schuld, wenn der Brustkrebs streut

Wissenschaftler des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York haben genauer untersucht, wie die Brustkrebszellen mobil werden und es schaffen, in das Gehirn einzudringen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ berichten sie, dass sie drei Gene identifizieren konnten, die an der Metastasenbildung von Brustkrebs beteiligt sind.
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DÜSSELDORF. Wenn ein Tumor streut, können sich Tochtergeschwulste – sogenannte Metastasen – in nahezu allen Körpergeweben oder Organen bilden. Beim Brustkrebs ist oft das Gehirn von der Invasion der Tumorzellen betroffen – und häufig treten die Metastasen erst Jahre nach der Behandlung des ursprünglichen Tumors auf.

Wissenschaftler des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York (MSKCC) haben nun drei Gene identifiziert, die an der Metastasenbildung von Brustkrebs beteiligt sind. „Unsere Forschung wirft ein Licht auf die Rolle, die diese Gene spielen, wenn es darum geht, wie Krebszellen sich vom Tumor lösen und wie sie schließlich entscheiden, wo sie als Nächstes angreifen“, erklärt Joan Massagué, der Leiter der Studie.

Die drei beteiligten Gene tragen die Bauanleitung für drei verschiedene Proteine. Zwei dieser Proteine – COX2 und HB-EGF genannt – sorgen offenbar dafür, dass die Krebszellen eines Tumors mobil werden und auf die Suche nach einer neuen Wirkungsstätte im Körper gehen. Das dritte Protein mit dem langen Namen ST6GALNAC5 hilft dann den mobilen Zellen, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren

Diese physiologische Barriere sorgt normalerweise dafür, dass nur notwendige Nährstoffe in das Gehirn gelangen, aber keine Krankheitserreger oder Giftstoffe. Sie besteht aus besonders eng aneinanderhaftenden Zellen, die die Blutgefäße im Gehirn gründlich abdichten.

Das Protein ST6GALNAC5 – normalerweise ist es nur im Hirngewebe aktiv – löst in den Krebszellen eine Veränderung aus, die ihnen das Überschreiten dieser Barriere erleichtert: Die Zellen bilden eine Art Schutzfilm auf ihrer Oberfläche. So haften sie an der Innenseite der Blutgefäße und haben dadurch mehr Zeit, sich zwischen den Zellen der Gefäßwände hindurch in das Gehirn zu schleichen.

„Unsere Befunde lenken die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Zelloberfläche als bisher unerkannter Beteiligter bei der Gehirn-Metastase“, sagt Massagué. Die Forscher hoffen, diese Erkenntnisse irgendwann einmal zur Krebsbekämpfung anwenden zu können – indem man etwa das Gen für ST6GALNAC5 gezielt blockiert. Dafür seien aber noch weitere Forschungen notwendig, so Massagué.

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