Krebsforschung
Maßgeschneiderte Medizin

Mit einer neuen gentechnischen Methode wollen Forscher in Tabakpflanzen individuelle Wirkstoffe für Krebspatienten herstellen. Nur eines von mehreren Forschungsprojekten zur personalisierten Medizin, in der viele Pharmafirmen einen wichtigen Zukunftsmarkt sehen.

DÜSSELDORF. Zwei bis drei Quadratmeter sind für jeden Menschen vorgesehen, wenn es in dem großen Gewächshaus in Halle losgeht. Dort sollen in wenigen Monaten Tabakpflanzen wachsen, die genetisch so verändert sind, dass sie individuelle Medizin produzieren – zugeschnitten auf den jeweiligen Patienten.

Bislang ist es nur eine erste klinische Studie, aber sie zeigt einen Weg, den die Medizin in den nächsten Jahren gehen könnte. Und sie gibt Patienten mit einer Krebserkrankung namens Non-Hodgkin-Lymphom neue Hoffnung.

Bei dieser Krankheit ist das eigene Immunsystem der Ursprung eines bösartigen Tumors. Meistens sind es die B-Zellen, die Antikörper produzierenden Zellen des Immunsystems, die das Lymphom auslösen: Eine dieser Zellen entartet und hört nicht mehr auf, sich zu teilen. Ihre Nachkommen überschwemmen den Rest des Immunsystems. Der Patient wird anfällig für Infektionen, leidet an Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust. Die Krankheit kann sich auf Lunge, Leber oder Niere ausbreiten und führt häufig zum Tod.

Da bei jedem Patienten eine andere B-Zelle entarten kann, braucht im Prinzip auch jeder Patient ein eigenes Medikament. Und genau das wollen Yuri Gleba und seine Mitarbeiter erreichen. Der Biologe hat ein neues Verfahren zur Medikamentenherstellung entwickelt. „Mit unserer Methode kann die Tabakpflanze große Mengen Medizin herstellen, und zwar sehr schnell und preisgünstig.“

Seine Ideen entwickelte Gleba über viele Jahre hinweg. In den siebziger Jahren forschte der gebürtige Ukrainer am Max-Planck-Institut für Zellbiologie in Ladenburg bei Heidelberg. Inzwischen ist er Geschäftsführer des Unternehmens Icon Genetics, das er 1999 in Princeton gegründet hat und das 2006 von Bayer gekauft wurde. Der Pharmariese will nun Glebas Technologie in die Klinik bringen und durch die Behandlung von Patienten mit dem Non-Hodgkin-Lymphom belegen, dass die Methode funktioniert.

„Zunächst brauchen wir eine Biopsie aus dem Krankenhaus“, sagt Gleba. In der Gewebeprobe seien zahlreiche B-Zellen enthalten, die meisten aber von dem entarteten Typ. „Wir kennen das Protein, das diese Zelle jeweils einzigartig macht. Das suchen wir, lassen es in Tabakpflanzen herstellen, aufreinigen, und dann können wir es als Impfstoff dem Patienten geben.“ Im Körper soll der Protein-Impfstoff dann das Immunsystem auf die entarteten Zellen einstellen, um diese gezielt eliminieren zu können.

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