Leistungssteigernde Drogen
Doping in der Chefetage

Kaum jemand redet darüber, nicht wenige tun es: Um Stress und Leistungsdruck auszuhalten, greifen Arbeitnehmer zu Drogen. Doch die Risiken sind groß. Welche Mittel zum Einsatz kommen und warum.
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DüsseldorfDer Fall Michael Hartmann ist ein Rätsel. Ein Bundestagsabgeordneter, der eine der gefährlichsten Drogen ausprobiert, der damit seinen guten Ruf und die gesamte politische Karriere aufs Spiel setzt – das ist für brave Bürger nur schwer zu verstehen. Und doch hat Michael Hartmann, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, offenbar genau das getan.

Hartmann hat wohl mit kristallinem Methamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth, experimentiert. Die Droge macht schnell abhängig, kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Bekannt sind die Bilder von Konsumenten der Droge, die im Netz kursieren; sie zeigen Menschen in völlig verelendetem Zustand.

Doch es gibt offenbar noch eine andere Seite dieser Modedroge – eine Seite, von der sich auch der Politiker angezogen fühlte. Er habe gehofft, durch Crystal leistungsfähiger zu sein, ließ Hartmann über seine Anwälte erklären. Die Droge habe er aber im Herbst 2013 nur gelegentlich und nur über einen Monat genommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Crystal putscht den Körper auf. Es unterdrückt Hunger, Schlaf, Schmerzen. Die Konsumenten spüren Euphorie, ein gesteigertes Selbstwertgefühl, erhöhte Risikobereitschaft. Nach einer vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie wird Crystal Meth auch gezielt zur Leistungssteigerung im Job genommen. Neben der „angenehmen Wirkung“ gab die Hälfte der befragten Konsumenten den Beruf als Motiv an. Ein Drittel nannte Schule und Studium als Grund.

„Auch gesunde Menschen nehmen verschreibungspflichtige Medikamente oder illegale Drogen ein, um die eigene geistige Leistungsfähigkeit zu steigern“, erklärt Andreas Franke, Professor für Medizin an der Hochschule Neubrandenburg.

Die Wirkung der Mittel ist sehr unterschiedlich, ebenso das Suchtpotenzial. Neben Drogen wie Kokain oder Ecstasy kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz; zum Beispiel Psychopharmaka, die vor wichtigen Meetings geschluckt werden, um die Nerven zu beruhigen. Hinzu kommen Mittel, die eigentlich zur Behandlung von hyperaktiven Kindern (Ritalin) oder Patienten mit Schlafkrankheit (Modafinil) gedacht sind. Eingenommen von Gesunden, sollen sie angeblich helfen, länger wach zu bleiben. Meist tritt ein Effekt nur kurzfristig auf, um den Preis, dass sie Körper und Geist langfristig auszehren. Weitere Nebenwirkungen: Impulsivität und erhöhte Reizbarkeit.

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