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Alrise Biosystems: Gebremste Wirkung

Der Chemiker Celal Albayrak hat eine Methode gefunden, wie medizinische Wirkstoffe kontinuierlich und gezielt an den Körper abgegeben werden. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Ansätzen ist, dass das Verfahren sehr schnell und effizient ist.
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Der Forschungsleiter des großen französischen Pharmaunternehmens hätte Celal Albayrak wohl am liebsten sofort 20 000 Euro in die Hand gedrückt, nur damit er und seine zwei Partner Heiko Seemann und Volker Rindler mit ihrem nicht mehr ganz taufrischen VW Golf wieder vom Parkplatz des Pariser Firmensitzes verschwinden. Dem Mann war das ungewöhnliche Trio, das sich auf die Verkapselung von Wirkstoffen versteht, nicht ganz geheuer. Eigentlich sollten sie, so war es vereinbart, mit ihrer neuen Technologie dem Pharmariesen unter die Arme greifen. Nun fragte dessen Forschungsleiter entgeistert: Das soll alles sein? Wo ist Ihr Labor? Wo sind Ihre Geräte? Alles im Golf? Das überstieg dann doch die Vorstellungskraft des französischen Pharmafachmanns.

Doch Albayrak, 50, ein gebürtiger Türke, kann sehr gewinnend sein - und sehr überzeugend obendrein. Also durften sie doch auspacken und lieferten ganze Arbeit - derzeit befindet sich ihre Entwicklung in den letzten klinischen Tests.

Fünf Jahre liegt dieser sonderbare Auftritt in Paris nun zurück - inzwischen haben Albayrak, Rindler und Seemann die Firma Alrise Biosystems gegründet. Der angelsächsisch anmutende Name leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Gründer ab. Albayrak hat nach seinem Studium der Physik und Chemie bei Schering an Methoden der Verkapselung von Wirkstoffen gearbeitet. Er erkannte aber rasch, dass hergebrachte Methoden kaum geeignet sind, Medikamente sicher und präzise dosiert in kleinen Mengen zu verabreichen - was Patienten häufiges Spritzen ersparen würde. Das sogenannte Drug Delivery wird zwar schon praktiziert, doch bislang nur für spezielle Anwendungen wie Brust- und Prostatakrebs, wobei meist toxische Hilfsstoffe eingesetzt werden.

Bei dem 2006 im Biotech-Park des Campus Berlin-Buch gegründeten Unternehmen ist das anders. "Wir verkapseln mit einem patentierten Verfahren Wirkstoffe in Polymerpartikeln, wobei alle eingesetzten Stoffe völlig ungiftig und von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA zugelassen sind", erläutert Erfinder und Firmengründer Albayrak stolz.

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Methoden ist, dass das Verfahren sehr schnell und effizient ist: Während üblicherweise acht Stunden vergehen, bis wirkstoffbeladene Nano- oder Mikropartikel hergestellt werden, benötigen die Berliner rund zehn Minuten. "Wir tricksen die Physik aus, indem wir bei der Herstellung der Nano- oder Mikropartikel aus Polymeren für einen raschen Phasenübergang vom flüssigen in den festen Zustand sorgen", erklärt Albayrak.

Dabei geht nur wenig der teuren Wirkstoffe verloren. Während bei konventionellen Methoden lediglich gut ein Drittel verkapselt wird, sind es bei dem sogenannten ImSus-Verfahren 90 Prozent. "Insgesamt lassen sich so die Kosten um die Hälfte reduzieren", sagt der Gründer und verweist darauf, dass es eine Lösung ist, die sich auch in der Lebensmittel-, Kosmetik-, Waschmittel- und Bauindustrie einsetzen lasse.

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