Medikament von Bayer erzielt Erfolge in klinischer Studie – Genaue Daten werden Mitte Mai präsentiert
Neue Wirkstoffe stoppen Nierenkrebs

Fortgeschrittene Nierenzell-Tumore zählen zu den Krebsvarianten, die bisher mit Medikamenten kaum zu behandeln sind. Dank neuer Wirkstoffe aus der biopharmazeutischen Forschung deuten sich inzwischen jedoch deutliche Fortschritte an.

FRANKFURT/M. Bestätigen sich bisherige positive Testresultate, dürften schon im Laufe der nächsten Jahre mehrere neue Medikamente für die Behandlung der Krankheit zur Verfügung stehen.

Zu den aussichtsreichsten Kandidaten gehört dabei der Wirkstoff Sorafenib, den die Bayer AG in Zusammenarbeit mit dem US-Biotechunternehmen Onyx entwickelt und 2006 auf den Markt bringen will. Das Molekül, zuvor unter der internene Bezeichnung Bay 43-9006 bekannt, zeigte in einer großen Studie so positive Ergebnisse, dass sich die Firmenleitung entschloss, nun auch jenen Patienten Sorafenib zu geben, die zuvor nur ein so genanntes Placebo-Medikament ohne Wirkstoffe erhalten hatten. Dieser Schritt sei mit den Zulassungsbehörden und einem unabhängigen Überwachungskomittee nach einer Analyse bisheriger Daten abgestimmt worden.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Sorafenib die Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Erkrankung offenbar so deutlich verlängert hat, dass der Wirkstoff den anderen Patienten der Testgruppe nicht mehr vorenthalten werden kann. Solche Entscheidungen sind in der Regel ein deutliches Signal dafür, dass man die Erfolgsaussichten eines Testmedikaments als ziemlich hoch einschätzt. Genaue Daten will Bayer allerdings erst Mitte Mai auf der Konferenz der American Association for Clinical Oncology (ASCO) präsentieren.

Sorafenib gehört zu jenen Wirkstoffen, die darauf zielen, die Blutversorgung von Tumoren zu unterbinden. Diese so genannten Angiogenese-Hemmer sorgen derzeit für Furore, weil die führende Substanz der Gruppe, das Krebsmittel Avastin von Roche und Genentech, mit einer Serie positiver Meldungen aufwartete. So hat Avastin nach Erfolgen bei Darm- und Lungenkrebs jüngst auch bei Brustkrebs eine Verlängerung der Überlebenszeit unter Beweis gestellt. Damit wird die Hoffnung untermauert, dass das Prinzip der Angiogenese-Hemmung bei einer Vielzahl von Krebsarten greifen könnte. Diese Perspektive macht auch Sorefenib zu einem der wichtigsten Hoffnungsträger im Entwicklungsprogramm von Bayer. Das Molekül befindet sich inzwischen auch bei Leberkrebs in der abschließenden Testphase und soll darüber hinaus bei einer Reihe weiterer Krebserkrankungen erprobt werden.

Der Wirkstoff zeichnet sich dabei nicht nur durch eine anti-angiogenetische Wirkung aus, sondern greift darüber hinaus auch in den Mechanismus der Zellteilung ein. Dazu blockiert Sorafenib das Enzym Raf-Kinase - einen Botenstoff, der das Signal zur Teilung an den Zellkern übermittelt.

Für den Erfolg solcher dualen Wirkmechanismen sprechen auch die Daten anderer Entwickungskandidaten, so insbesondere für den Wirkstoff Sutent, den der US-Konzern Pfizer gegen Magen- und Nierenkrebs entwickelt. Er zielt ebenfalls darauf, sowohl Wachstumsfaktoren als auch die Angiogenese zu hemmen. Auch hier konnte Anfang des Jahres eine Studie vorzeitig abgewandelt werden, nachdem eine Zwischenauswertung eindeutig positive Resultate zeigte. Die Chancen stehen vor diesem Hintergrund nicht schlecht, dass bereits im kommenden Jahr mehrere neue Alternativen für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenkrebses zur Verfügung stehen.

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