Medikamente
Leckere Pillen

Wenn die Medizin nicht schmeckt, dann wird die Therapie zur Tortur. Vor allem Kinder sind hier empfindlich und verweigern die Einnahme selbst lebenswichtiger Arznei. Mit Hilfe von Zusatzstoffen versuchen einige Pharmahersteller, das Problem zu entschärfen. Ein Blick in die Welt der Bitterblocker.

DÜSSELDORF. Jeder, der einmal Medizin schlucken musste, weiß: Medikamente schmecken nicht. Tabletten sind keine Bonbons, Kreislauftropfen kein Fruchtsaft, Kapseln zergehen nicht auf der Zunge wie Schokolade. Wenn Patienten ihre Medikamente nicht wie verordnet nehmen, liegt das nicht nur an den befürchteten Nebenwirkungen. Die Gründe liegen auch bei den Arzneien selbst.

Dem steuern Pharmaunternehmen verstärkt mit geschmacklich optimierten Produkten gegen. Unterstützt werden sie dabei von der Sensorikforschung, die auf solche Fragen spezialisiert ist. So testete das kanadische Sensorikinstitut Applied Consumer&Clinical Evaluations (ACCE) in Mississauga, Ontario, Schmerzmittel für Kinder. Die Forscher fanden heraus, welche Formen, Farben und Geschmäcker Kinder vorziehen. Das Ergebnis: neu entwickelte zart schmelzende bonbonartige Pillen mit Namen wie Wacky Watermelon oder Bubblegum Burst.

Auch deutsche Hersteller setzen auf Fruchtgeschmack. Beispiel: MSD Sharp&Dohme, Teil des amerikanischen Pharmariesen Merck, bietet eine spezielle Asthma-Kautablette für Kinder mit Kirscharoma an. Bayer Health Care verkauft den bitteren Wirkstoff Ciprofloxacin als Granulat in einer nach Erdbeere schmeckenden Emulsion. Zusammengerührt ergibt beides einen Saft, der empfindliche Geschmacksnerven schont.

Das Pharmaunternehmen Grünenthal wiederum ging beim Antibiotikum Clarosip innovative Wege. Gerade Antibiotika schmecken häufig sehr bitter, deshalb wird das Mittel zum Granulat verarbeitet und in einen Trinkhalm gefüllt. Bevor Kinder überlegen können, ob es schmeckt, haben sie es samt der Flüssigkeit bereits geschluckt.

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