Medikamentenforschung
Natürlichen Wirkstoffen auf der Spur

Viele Arzneimittel müssen nicht erst aufwendig hergestellt werden. Es gibt sie bereits in der Natur. Das machen sich Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln wie Bionorica zu Nutze. Sie suchen für die 20 000 Heilpflanzen nach neuen Anwendungen.

BERLIN. Die Hälfte der Krebsmedikamente wurde in Pflanzen, Mikroben und anderen Erdbewohnern gefunden. Auch zwei Drittel der Antibiotika sind natürlichen Ursprungs. Pharmaunternehmen isolieren die wirksamen Bestandteile aus Blumen und Pilzen, stellen diese dann jedoch künstlich her, um in gleichbleibender Qualität auf große Mengen der Arznei zugreifen zu können. Der synthetische Nachbau der Wirkstoffe sei oft gar nicht notwendig, ist Michael Popp, Chef des Neumarkter Unternehmens Bionorica überzeugt.

Die Firma aus der Oberpfalz stellt seit gut 70 Jahren sogenannte Phytopharmaka - pflanzliche Arzneimittel - her. Und das mit Erfolg: In den letzten drei Geschäftsjahren steigerte Bionorica seine Erlöse nahezu um das doppelte und erwirtschaftete 2007 nach eigenen Angaben einen Netto-Umsatz von rund 115 Mill. Euro. "Immer mehr Patienten, Ärzte und Apotheker erkennen die Vorteile von Phytopharmaka, die hochwirksam, aber im Gegensatz zu chemisch-synthetischen Medikamenten weniger Nebenwirkungen verursachen", nennt Popp einen Grund für die wachsende Nachfrage.

Viele Heilpflanzen besitzen allerdings nicht nur einen Wirkstoff, sondern eine Fülle von Inhaltsstoffen, die in ihrer Mischung besonders gut wirken. "Beim Johanniskraut, das Depressionen lindern kann, hielt man lange Zeit Hypericin für den Wirkstoff", sagt der Bionorica-Chef. Aber in Studien habe diese Substanz alleine fast nicht gewirkt. "Inzwischen wissen wir, dass es sich um einen Wirkstoff-Cocktail handelt: um Hypericin, Hyperforin, Biapigenin und weitere Flavonoide", so Popp.

Ob Weidenrinde gegen Rückenschmerzen, eine Kombination aus Thymian und Efeu gegen Bronchitis oder Mönchspfeffer gegen Menstruationsbeschwerden - Bionorica setzt ausschließlich auf Extrakte bestimmter Pflanzen. Derzeit tüfteln die Forscher an einem pflanzlichen Nasenspray gegen chronischen Schnupfen und einem zweiten gegen Heuschnupfen. Daneben suchen sie nach Heilpflanzen, die Prostatakrebs hemmen.

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