Medizin
CT-Hersteller senken Röntgendosis

Computertomografen sollen künftig schneller arbeiten und die Patienten mit einer geringeren Strahlendosis belasten: Siemens setzt sich in der Computertomografie mit einer Kombination verschiedener Verfahren an die Spitze.
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DÜSSELDORF. Computertomografen sollen künftig schneller arbeiten und die Patienten mit einer geringeren Strahlendosis belasten. Alle Hersteller der sogenannten CTs haben in den letzten Monaten ihre Geräte weiter optimiert. Gestern legte als letzter Anbieter Siemens Healthcare nach und kündigte an, auf dem bevorstehenden amerikanischen Röntgenologenkongress in Chicago ein neues High-End-Gerät zu präsentieren, bei dem die Strahlendosis bei einer Herzuntersuchung erstmals unter der einer Katheteruntersuchung liegen wird. Der neue CT soll im ersten Quartal 2009 auf den Markt kommen.

Das neue Gerät mit der Bezeichnung "Somatom Definition Flash" ist ein sogenannter "Dual-Source-CT" bei dem zwei Röntgenröhren gleichzeitig um den Körper rotieren. Mit einer Scan-Geschwindigkeit von bis zu 43 Zentimeter pro Sekunde kann der neue Tomograf einen kompletten Brustkorb in nur 0,6 Sekunden aufnehmen. Der Vorteil vor allem für schwer verletzte Patienten: "Sie müssen während der Untersuchung nicht mehr wie bisher den Atem anhalten", sagt Thomas Flohr, einer der Entwickler des neuen CTs.

Aber was noch wichtiger ist für chronisch Kranke, die häufiger gescannt werden müssen: Der neue Tomograf arbeitet mit einer deutlich verminderten Strahlendosis. So kann beispielsweise ein Herz-Scan mit weniger als einem Milli-Sievert durchgeführt werden. Bislang musste der Patient dafür je nach Art der Untersuchung eine Dosis zwischen 8 und 40 Milli-Sievert in Kauf nehmen.

"Das ist revolutionär", sagt Wolfgang Lemmen, Radiologe bei Radprax, einer der größten radiologischen Gemeinschaftspraxen im Raum Wuppertal. "Wenn sich die Werte des neuen Siemens-CT in der Praxis bewähren, liegen sie deutlich unterhalb denen einer Herzkatheteruntersuchung, die bei rund 3 Milli-Sievert liegen", so Lemmen. Das eröffne der CT den Weg in die kardiologische Routineuntersuchung.

Für die Akzeptanz - und damit für den Erfolg - der Computertomografie ist die Strahlenbelastung in den letzten zwei Jahren immens wichtig geworden. "Damals wurde uns bewusst, dass die vielen tollen Bilder, die uns die neuen Mehrzeilen-CTs lieferten und damit eine Untersuchung des Herzens erst ermöglichten, mit einer für Routineuntersuchungen unvertretbar hohen Röntgendosis erkauft werden", sagt Christoph Heyer, Radiologe an der Ruhr Bochum, -Universität der mit einer Studie vor eineinhalb Jahren in Deutschland zum ersten Mal auf das Problem hingewiesen hat.

Heyer war mit seiner Kritik aber nicht alleine, Forscher - vor allem in den USA - haben die CT-Hersteller mächtig unter Druck gesetzt. Die Unternehmen haben den Ball aufgenommen und relativ kurzfristig mit verschiedenen Maßnahmen gegengesteuert. So hat Philips Anfang des Jahres den sogenannten iCT auf den Markt gebracht, der mithilfe von Blenden die Röntgenstrahlung in den Bereichen des Körpers abschirmt, die nicht gescannt werden müssen. Mit diesem Trick sei es möglich, Patienten je nach Untersuchung nur mit bis zu 20 Prozent der bisherigen Dosis zu bestrahlen, erläutert Gerald Pötzsch, bei dem niederländischen Konzern zuständig für das CT-Geschäft in den deutschsprachigen Ländern.

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