Medizin
Falsche Diagnosen bei Allergien

Nahrungsmittel-Allergien werden nach Einschätzung von Experten sehr häufig falsch diagnostiziert. "Es gibt eine Reihe unsinniger Testverfahren durch nicht spezialisierte Ärzte, die Patienten viel Leid und Geld kosten", kritisierte Thomas Fuchs, Präsident des Deutschen Allergie-Kongresses.

ERFURT. Nahrungsmittel-Allergien werden nach Einschätzung von Experten sehr häufig falsch diagnostiziert. "Es gibt eine Reihe unsinniger Testverfahren durch nicht spezialisierte Ärzte, die Patienten viel Leid und Geld kosten", kritisierte Thomas Fuchs, Präsident des Deutschen Allergie-Kongresses, der Ende vergangener Woche in Erfurt tagte. Viele Menschen glaubten, allergisch auf bestimmte Lebensmittel oder Zusatzstoffe zu reagieren. Tatsächlich würden aber nur etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen und vier Prozent der Kinder an einer echten Nahrungsmittel-Unverträglichkeit leiden. Die Suche nach den Auslösern sei schwierig und erfordere oft richtige Detektivarbeit.

Fuchs warnte vor einseitigen Diäten aufgrund von Verfahren, die für die Diagnose von Nahrungsmittel-Allergien ungeeignet seien. Zugleich dürfe die Gefahr dieser Allergien aber nicht unterschätzt werden. Würden die Betroffenen nicht die Allergieauslöser meiden, könne dies tödlich enden, warnte Fuchs.

Am gefährlichsten sei die Erdnuss-Allergie, sagte der Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, Albrecht Bufe. "Erdnuss-Allergene sind sehr aggressiv und können schnell zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen." Sie werden laut Bufe sowohl über die Mundschleimhäute als auch über die Atemwege aufgenommen. Besonders bei Kindern seien Erdnuss-Allergien auf dem Vormarsch. Generell würden Allergien meistens im Kindheitsalter beginnen.

Bei Allergien richtet sich das Immunsystem versehentlich gegen harmlose Substanzen wie Pollen oder Staub, die es als gefährlich einschätzt. Nach Meinung von Experten leidet inzwischen bereits jeder dritte Erwachsene an einer Allergie. Am häufigsten sind dabei die Atemwegs-Allergien. Nach Schätzungen der Fachärzte wird nur etwa jeder zehnte Allergiker korrekt therapiert. In Erfurt tauschten rund 1 000 Teilnehmer des Kongresses neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus. Die Tagung wurde zum dritten Mal gemeinsam von den drei allergologischen Fachgesellschaften organisiert. dpa

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