Medizin
Forscher gewinnen Stammzellen aus dem Fruchtwasser

Auf Stammzellen ruhen große Hoffnungen: Eine Vielzahl von Erkrankungen könnte eines Tages damit behandelt werden. Bislang werden sie vor allem aus Embryonen gewonnen, was jedoch ethische Probleme mit sich bringt. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin ist es nun gelungen, Zellen aus dem Fruchtwasser in Stammzellen umzuwandeln.
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HB BERLIN. Die besonderen Fähigkeiten der embryonalen Stammzellen können heute in einer Vielzahl von bereits „ausgewachsenen“ Zellen (etwa Haut- und Haarzellen) genutzt werden. Dafür werden diese Zellen reprogrammiert und in so genannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) umgewandelt. Diese besitzen dann wieder die typischen Stammzelleigenschaften: Sie können jede Zellart des menschlichen Körpers bilden (Pluripotenz) sowie sich unendlich vermehren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin konnten jetzt zeigen, dass die Fruchtwasser-iPS-Zellen verschiedene Zelltypen des menschlichen Körpers bilden können. Fruchtwasserzellen haben gegenüber anderen Zelltypen verschiedene Vorteile. Zum einen werden Fruchtwasserzellen routinemäßig bei vorgeburtlichen Untersuchungen gewonnen, um mögliche Erkrankungen früh zu entdecken. Dabei werden meist mehr Zellen isoliert, als tatsächlich benötigt werden.

Zum anderen enthält das Fruchtwasser eine Mischung verschiedener Zellarten des ungeborenen Kindes, darunter auch stammzellähnliche Zellen. Da sie nicht sehr alt sind, sammeln sich weniger umweltbedingte Mutationen an, was sie genetisch stabiler macht. „Möglicherweise können solche Zellen aus dem Fruchtwasser deshalb schneller und einfacher reprogrammiert werden, als andere Zelltypen. Dies macht Fruchtwasser-iPS-Zellen zu einer interessanten Ergänzung zu embryonalen Stammzellen“, erklärt James Adjaye vom Berliner Max-Planck-Institut.

Darüber hinaus könnten Fruchtwasserzellen bereits vor der Geburt eines Kindes zur zellulären Reprogrammierung entnommen und während der Schwangerschaft entsprechend ihres späteren Verwendungszwecks vorbereitet werden. „Auf diese Weise könnte schon vor der Geburt getestet werden, welche Medikamente bei einem Baby wirken und ob es sie verträgt. Außerdem könnten kranke Neugeborene mit körpereigenen Zellen behandelt werden“, so Adjaye.

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