Medizin Grippe sorgt für volle Wartezimmer

Seit Wochen haben Grippe und Erkältung Deutschland nahezu flächendeckend im Griff. In den Arztpraxen arbeitet das Personal mittlerweile am Anschlag.
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Grippe und Erkältungen sorgen aktuell für einen Ansturm auf die Arztpraxen. (Foto: dpa)
Volle Wartezimmer

Grippe und Erkältungen sorgen aktuell für einen Ansturm auf die Arztpraxen. (Foto: dpa)

MünchenFieber, Husten, Schüttelfrost – die Symptome lassen nichts Gutes erahnen. Seit Wochen haben Grippe und Erkältung Deutschland nahezu flächendeckend im Griff. Viele Hausarztpraxen und Notaufnahmen arbeiten am Limit.

Etwa 25 Prozent mehr Patienten als durchschnittlich suchen zurzeit jeden Tag die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung am Münchner Hauptbahnhof auf, wie Regionalleiter Guido Zdrenka sagt. Für Extraschichten fehle das Personal, zumal einige Mitarbeiter selbst erkrankt seien.

In anderen Praxen ist die Lage ähnlich. Bis zu 40 Prozent mehr Patienten zählt Allgemeinmedizinerin Petra Reis-Berkowicz vom Bayerischen Hausärzteverband in ihrer Landarztpraxis in Gefrees bei Bayreuth.

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Wer nießende und hustende Menschen meidet, ist vor Grippeviren sicher

„Willst du mal von meinem Teller probieren? Ich bin nicht krank.“ – Diesen Worten sollte niemand trauen. Denn schon 48 Stunden vor dem Grippe-Ausbruch sind Menschen ansteckend und bis zu fünf Tagen danach. „Keine Sorge, ich bin wieder gesund“ ist deshalb genauso argwöhnisch zu betrachten.

Grippe
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Nasensprays machen süchtig

Tatsächlich sollte abschwellendes Nasenspray nicht länger als fünf Tage hintereinander verwendet werden. Denn mit der Zeit tritt ein gegenteiliger Effekt auf: Anstatt die Nasenschleimhaut abschwellen zu lassen, lässt das Nasenspray sie dann anschwellen. Um wieder Luft zu bekommen sprühen Betroffene immer häufiger nach – und kommen so vom Medikament nicht mehr los. Dieser Suchtfaktor tritt auch bei leichteren Nasensprays für Kinder auf.

Grippeimpfung
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Eine Grippe-Impfung kann erst recht zur Grippe führen

Bei einer Grippe-Impfung bekommen Menschen Grippe-Viren gespritzt. Viele meiden daher eine Impfung, da sie befürchten als Nebenwirkung erst recht eine Grippe zu bekommen. Dies ist jedoch ein Irrtum, da tote Grippe-Viren gespritzt werden, die inaktiv sind und sich nicht im Körper vermehren.

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Wer sich impfen lässt, muss sich keine Sorgen machen

Eine Impfung schützt nie zu 100 Prozent, sondern bei gesunden Erwachsenen zwischen 70 und 90 Prozent. Bei Älteren senkt eine Impfung die Infektionswahrscheinlichkeit um 60 Prozent.

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Vor allem chronisch Kranke und ältere Menschen sind gefährdet

Ein Blick auf die Statistik entpuppt dieses Gerücht als Irrtum. Die Hälfte aller Grippekranken sind berufstätige Erwachsene.  Da eine Grippe jeden treffen kann, ist eine Impfung um so wichtiger.

Noch keine Entwarnung: Grippewelle kann noch kommen
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Nach einer Grippe bleibt man erst einmal verschont

Dies gilt nur in einem gewissen Maße, da sich Grippeviren ständig verändern. Daher hält eine Impfung auch nur zwischen sechs Monaten und einem Jahr.

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Wer nicht früh genug impft, kann es gleich sein lassen

Tatsächlich dauert es zwei bis drei Wochen, bis eine Impfung wirkt. Aber zu spät ist besser als nie. Schließlich geht die Grippesaison meist bis Ende März. Am besten ist es, sich zwischen September und November impfen zu lassen.

Der Ansturm halte schon seit vier Wochen an, habe jedoch in den letzten Tagen noch zugenommen. Die Praxis sei zurzeit meist bis 20.45 Uhr geöffnet: „Wir arbeiten, bis der letzte Patient versorgt ist.“

Hochbetrieb herrscht auch im Universitätsklinikum Dresden. Bis zu 20 Grippepatienten kämen täglich ins Krankenhaus, berichtet ein Sprecher. Viele von ihnen seien ältere Menschen oder hätten bereits andere Vorerkrankungen. Diese treffe die Grippe besonders stark, weshalb sie stationär aufgenommen würden.

Es seien 25 Prozent mehr Patienten als sonst und 10 Prozent mehr als während früherer Grippephasen, schätzt der Allgemeinmediziner Wolfgang Kreischer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Berlin-Brandenburg. Um den Ansturm zu bewältigen, arbeitet er vormittags meist eine Stunde länger.

Den Patienten empfiehlt er, sich Termine geben zu lassen, um Wartezeiten zu vermeiden. Mit einer Grippe in die Notaufnahme zu gehen, hält er nicht für sinnvoll. Denn dort steckten die Betroffenen noch mehr Menschen an.

In seiner Praxis würden regelmäßig die Türklinken desinfiziert, sagt Hausarzt Kreischer. Erkältungspatienten gebe er zur Begrüßung nicht die Hand. Ihn selbst habe es glücklicherweise noch nicht richtig erwischt, lediglich über ein Wochenende sei er einmal erkältet gewesen.

Dass auch Mitarbeiter krank das Bett hüten müssten, bleibe nicht aus, sagt der Allgemeinmediziner Matthias Berndt aus Hannover. Er berichtet von großem Andrang in seiner Praxis. Im Wartezimmer reichten zeitweise die Stühle nicht aus. Um ein Viertel mehr Patienten seien täglich zu behandeln, berichtet der Bezirksvorsitzende beim niedersächsischen Hausärzteverband. Das Personal arbeite am Anschlag.

Wann die Menschen im Land auf ein langsames Abebben der Influenza hoffen dürfen, ist unklar. In der vergangenen Woche hatte die Grippewelle mit knapp 35.300 Fällen jedenfalls ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, wie das Robert Koch-Institut in Berlin mitteilte.

Insgesamt wurden in dieser Saison bislang rund 120.000 Fälle erfasst. Mindestens 216 Menschen starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion – vorwiegend Menschen im Seniorenalter. Die Dunkelziffer bei Grippefällen gilt allerdings als hoch.

Erkältungsmythen im Faktencheck
Welche Erkältungsmythen stimmen?
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Kratzender Hals, tropfende Nase und Gliederschmerzen: Klagt man über eine Erkältung, kommen schnell gute Ratschläge. Die einen schwören auf heiße Milch mit Honig, andere auf Schwitzen in der Sauna. Couch-Potatoes berufen sich auf die Faustregel, dann keinen Sport zu treiben. Doch welche Erkältungsmythen stimmen wirklich?

Heiße Milch mit Honig hilft
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„Bei trockenem Husten kann warme Milch mit Honig zwar reizlindernd wirken - weniger jedoch bei schleimproduzierendem Husten, da Milch selbst schleimproduzierend wirkt“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Anja Markant vom Fachbereich für Oecotrophologie an der Fachhochschule Münster. Auch mögliche antibakterielle und antivirale Wirkungen des Honigs seien nicht hinreichend belegt. „Mit ein bis zwei Teelöffeln kann man zudem nicht viel von den positiven Wirkstoffen aufnehmen.“ Werde das Getränk über 40 Grad erhitzt, würden sie sogar abgebaut. Richtig sei aber, dass warme Getränke das Reizgefühl im Rachen lindern könnten.

Heiße Zitrone hilft
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„Vitamin C kann die meisten Menschen nicht vor Erkältungen schützen“, sagt Markant. „Natürlich brauchen wir Vitamin C. Aber eigentlich nehmen wir mit der täglichen Nahrung genug auf.“ Zudem könnten die Säuren der Zitrone die Rachenschleimhaut reizen.

Ingwer ist gut gegen Erkältung
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Da ist was dran. „Er enthält ätherische Öle und sogenannte Scharfstoffe“, sagt die Expertin. Letztere hätten etwa eine schmerzlindernde Wirkung. Zudem rege Ingwer die Durchblutung an - und sorge so auch für warme Hände und Füße.

Alkohol hilft, weil er desinfiziert
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Zu viel Alkohol schwächt das Immunsystem und entzieht dem Körper Wasser. Mit einer Ausnahme: „Warmes Bier in kleinen Mengen scheint tatsächlich bei Erkältungen zu helfen“, sagt Markant. „Bier enthält Hopfen, der sich durch ätherische Öle und Bitterstoffe auszeichnet.“ Die wirken ihr zufolge schlaffördernd - was ja bekanntlich die beste Medizin ist. Leicht erwärmt werde der Effekt verstärkt.

Schlaf ist die beste Medizin
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„Man hat dann in der Tat ein erhöhtes Schlafbedürfnis“, sagt Stefan Wilm, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Uniklinik Düsseldorf. „Was der Körper verlangt, kann nicht falsch sein.“ Studien dazu gebe es allerdings nicht.

Hühnersuppe hilft
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Zwar kann ihr Dampf die Schleimhäute befeuchten und die Hitze Viren töten. Dass Zink im Hühnerfleisch das Immunsystem stärkt, ist Expertin Markant zufolge aber nicht belegt - ebenso wenig wie die Wirkung der darin enthaltenen Aminosäure, die das Heranreifen weißer Blutkörperchen unterstützt und das Immunsystem stärken soll.

  • dpa
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