Medizin
Junge Ärzte proben den Ernstfall

Die Simulation von Notfällen soll künftig die Ausbildung von Medizinern verbessern. Am sogenannten Studienhospital der Universität Münster können angehende Mediziner in einer virtuellen Trainingsanlage schon jetzt den Ernstfall proben.
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BERLIN. Jede zehnte medizinische Behandlung in der Europäischen Union ist mangelhaft, beklagte jüngst die EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Das liegt nicht nur an der wenigen Zeit und dem Stress, dem viele Mediziner ausgesetzt sind, sondern auch an der mangelnden Ausbildung und fehlender Routine - gerade in Stresssituationen. Piloten trainieren ihre Reaktion regelmäßig in der Simulation von Notfällen und reagieren souveräner. Eine Technik, die sich nun auch Mediziner zunutze machen wollen. Am sogenannten Studienhospital der Universität Münster wurde kürzlich eine virtuelle Trainingsanlage in Betrieb genommen, mit der angehende und etablierte Ärzte den Einsatz bei Unfällen proben können.

Etwa den: In diffusem Licht eines trüben Wintertags liegt ein schwer verletzter Radfahrer bewusstlos an einer stark befahrenen Kreuzung. Der Rettungssanitäter kann weder auf vertraute Technik wie ein Ultraschallgerät zurückgreifen, noch kann er in Ruhe Herz- und Atemgeräusche abhören, weil Lkws an der Unfallstelle vorbeidonnern - doch die Zeit für eine Diagnose drängt. Mithilfe eines Laienschauspielers und einer Panoramaprojektion der Szenerie wird die Situation täuschend echt simuliert.

Der Simulator, der verschiedene Alltagssituationen darstellt, wurde vom Fraunhofer für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik-Institut (First) entwickelt. Das Panoramabild wird von sieben Beamern erzeugt, die in einer Höhe von drei Metern angebracht sind. Die jungen Ärzte fühlen sich in dem zylindrischen Raum wie mitten im Geschehen. Alle Akteure können sich innerhalb der Projektion in einem Durchmesser von drei bis vier Metern frei bewegen. "Erfahrungen zeigen, dass interaktive, realitätsnahe Trainingsumgebungen zu besseren Lehr- und Lernergebnissen führen", sagt Bernhard Marschall, Studiendekan und Initiator des Studienhospitals. Wichtig sei, dass durch die Simulation eine echte Stresssituation hergestellt werde. Es bleibe nicht beim bloßen "Nun stellen Sie sich mal vor ?"

Marschall will den Simulator künftig entlang vieler Stationen der klinischen Ausbildung etablieren. Besonderer Mehrwert: Das System ist mit einer Überwachungskamera ausgestattet, der nicht entgeht, was gut und was weniger gut im Training läuft. Weiterer Vorteil: Die Lernenden können einfach per USB-Stick den Film herunterladen und zu Hause in Ruhe noch mal kritisch auf ihre Leistung blicken, was den Lerneffekt nochmals befördert.

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