Medizin
Lebensretter mit Hacker-Schwachstellen

Medizinische Geräte wie Herzschrittmacher oder Insulin-Pumpen sollen eigentlich Leben retten. Doch moderne Übertragungstechnik macht die Lebensretter auch anfällig für Hacker-Angriffe.
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Nichts ist sicher vor Hackern – nicht einmal der menschliche Blutkreislauf. Wie der IT-Sicherheitsexperte Jay Radcliffe – selbst Diabetiker – auf einer Konferenz in Las Vegas erklärte, hat er einige Schwachstellen gefunden, die es einem Angreifer ermöglichen würden, Insulin-Pumpen und die auf den Bildschirmen sichtbaren Blutzuckerwerte zu manipulieren.

Für die Erkrankten hätte ein solcher Eingriff schwerwiegende Folgen - er bekäme zu wenig oder zu viel Insulin, ein wichtiges Hormon zur Regulierung des Blutzuckerspiegels im Blut.

Radcliffe führte entsprechende Experimente mit seinen eigenen Geräten durch. Seine erste Reaktion sei dabei durchaus zwiespältig gewesen. „Aus technischer Sicht war das echt cool“, sagte Radcliffe. Danach habe er habe aber richtig Angst bekommen, da er nun wisse, „dass es keine Sicherheit bei den Geräten gibt, die einen sehr aktiven Beitrag dazu leisten, mich am Leben zu erhalten.“

Hintergrund ist, dass immer mehr medizinische Geräte wie Herzschrittmacher, Operationsgeräte und Monitore so ausgerüstet werden, dass sie wichtige Daten zum Gesundheitszustand eines Patienten über Datenleitungen übertragen und auch ferngesteuert werden können. Hinweise darauf, dass die von Radcliffe gefundenen Lücken ausgenutzt wurden, gibt es allerdings derzeit nicht.

Gerätehersteller verweisen zudem darauf, dass nur ausgewiesene Sicherheitsexperten die Schwachstellen erkennen und ausnutzen könnten. Trotzdem lassen sich die Sorgen vor möglichen Hacker-Attacken nicht völlig von der Hand weisen. Immerhin wurden vor Radcliffes Insulin-Versuchen auch schon Angriffe auf Herzschrittmacher und Defibrillatoren (Geräte zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen) simuliert.

Radcliffe betonte, es sei ihm nicht darum gegangen, Menschen in Panik zu versetzen. Die Öffentlichkeit müsse aber darauf aufmerksam gemacht werden, weil die medizinische Industrie immer mehr Geräte vernetze.

Jeder wolle, dass die Geräte immer mehr leisten. Und wenn die Technik derart vorangetrieben werde, dann bleibe oft die Sicherheit auf der Strecke. Welche Geräte er bei seinen Tests nutzte, wollte Radcliffe nicht sagen – auch aus Sorge um seine eigene Sicherheit.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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