Medizin
Malaria-Erreger lässt Kranke anders duften

Malaria-Erreger können das Duftprofil ihres Wirts verändern. Das spielt den Parasiten in die Karten: Sie finden leichter einen neuen Wirt. So kann sich die gefährliche Krankheit schneller ausbreiten.
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BerlinMit Malariaparasiten infizierte Opfer riechen intensiver – und locken somit mehr Mücken an. Mit diesem von Forschern um Mark C. Mescher von der Pennsylvania State University nachgewiesenen Trick erhöhen die Erreger der gefährlichen Krankheit ihre Chancen, einen neuen Wirt zu finden und ihren Lebenszyklus zu vollenden. Über ihre Entdeckung berichten die Forscher aktuell in der der Fachzeitschrift PNAS.

Das Forscherteam hatte in einem Experiment Stechmücken-Weibchen in einen kleinen Windkanal gesetzt und dann beobachtet: Fliegen die Moskitos gegen den Luftzug, hin zu einer der zwei Kammern am Anfang des Windkanals? Und stechen sie dort in ein Stück Stoff, die die Kammern vom Windkanal trennt?

In der einen Kammer saß eine gesunde Maus; in der anderen Kammer befand sich eine Maus, die absichtlich mit dem Erreger der Nagetier-Malaria, Plasmodium chabaudi, infiziert worden war. Diese Versuche wurden rund sechs Wochen lang fast täglich wiederholt. Das Ergebnis: Die Stechmücken fanden die kranken Mäuse attraktiver, und zwar besonders im Zeitraum 10 bis 20 Tage nach der Infektion.

In einem anderem Experiment brachte das Team nur bestimmte Luftproben in den Windkanal ein: In einer Kammer waren die Ausdünstungen von sechs Mäusen, die einen Tag vor der Infektion mit Malaria gesammelt worden waren; in der anderen Kammer waren die Ausdünstungen der selben Mäuse, die sie nach der Erkrankung abgesondert hatten. Auch hier wurden die Stechmücken vor allem von jenem Duft angelockt, den die Mäuse 13 bis 20 Tage nach der Malaria-Infektion verströmten.

In dieser Phase befanden sich besonders viele sogenannte Gametozyten im Blut der Mäuse, stellten die Forscher mit Blutproben fest. Gametozyten sind eine wichtige Form des Malaria-Erregers: Wenn eine Stechmücke den infizierten Wirt sticht, Blut trinkt und dabei auch Gametozyten aufnimmt, dann kann die Malaria an andere übertragen werden. Ansonsten sterben die Gametozyten, und der Überlebenskreislauf der Parasiten wird unterbrochen.

Bereits eine Studie aus dem Jahr 2005 hatte gezeigt: Kenianische Kinder, die Malaria im Gametozyten-Stadium hatten, wurden öfter von Moskitos gestochen als Kinder, die in einem anderen Stadium krank waren oder gar keine Malaria hatten. Den Grund fand man damals nicht heraus. Nun dürfte die Erklärung gefunden sein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
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