Medizin Menschen erkennen Kranke auf einen Blick

Schon ein kurzer Blick ins Gesicht kann uns verraten, ob unser Gegenüber an einer ansteckenden Krankheit leidet. Ganz fehlerfrei ist das von schwedischen Forschern jetzt nachgewiesene Früherkennungssystem aber nicht.
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Die beiden Bilder, die aus Fotos von 16 Probanden zusammengesetzt wurden, zeigen eine kranke (r.) und eine gesunde Person. Quelle: dpa
Krank oder gesund?

Die beiden Bilder, die aus Fotos von 16 Probanden zusammengesetzt wurden, zeigen eine kranke (r.) und eine gesunde Person.

(Foto: dpa)

BerlinDass Tiere den Menschen vor Leiden warnen können, ist bekannt: Einige Hunde erschnüffeln Diabetes, Ratten können Tuberkulose riechen und Fruchtfliegen Krebszellen. Doch auch Menschen haben offenbar einen „sechsten Sinn“, der ihnen hilft, Kranke auf einen Blick zu erkennen, selbst wenn deren Leiden sich noch im Frühstadium befindet. Das fanden Forscher vom Karolinska-Institut in Stockholm jetzt heraus.

Das Team um den Neurowissenschaftler und Schlafforscher John Axelsson injizierte einer Gruppe von Freiwilligen ein Toxin des Darmbakteriums Escherichia coli, das eine Entzündungsreaktion im Körper hervorruft. Zuvor waren die Probanden fotografiert worden. Zwei Stunden nach der Injektion wurden erneut Fotos von den nun infizierten Testpersonen gemacht.

Das sind die gefährlichsten Bakterien der Welt
Priorität 3, Medium: Shigella
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Die Stäbchenbakterien aus der Familie der Enterobakterien sind vor allem in Entwicklungsländern ein großes Problem. Sie können sehr schwere Bakterienruhr mit Durchfällen hervorrufen und verbreiten sich hauptsächlich durch verschmutztes Wasser oder durch Nahrungsmittel. Die Behandlung von Epidemien hat zu einer stärkeren Verbreitung von gegen Antibiotika resistenten Stämmen geführt. Wissenschaftler schätzen die Gefahr von Erregern auf Basis ihrer Medikamenten-Resistenz, der Zahl der Toten, die sie verursachen und der Häufigkeit, in der Menschen außerhalb von Krankenhäusern infiziert werden ein.

Quelle: WHO

Typ 3, Medium: Haemophilus influenzae
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Haemophilus influenzae existiert ausschließlich in den Schleimhäuten des Menschen, vor allem in denen des oberen Atmungssystems (Nase, Rachen, Luftröhre). Die Bakterien verursachen dort entzündliche Erkrankungen und sind vor allem für Kleinkinder gefährlich. Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 371.000 Kinder unter fünf Jahren an der durch vorbeugende Impfung vermeidbaren Infektion.

Priorität 3, Medium: Streptococcus pneumoniae
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Allgemein bekannt als Pneumokokken verursachen diese Bakterien schwere Infektionen, besonders gefährlich sind sie für Säuglinge, Kleinkinder und älteren Menschen mit Vorerkrankungen. Jedes Jahr sterben weltweit mehrere Millionen Menschen an einer Pneumokokken-Infektion, in Deutschland sind es im Schnitt 10.000. Trotz Antibiotika tritt die Hälfte dieser Todesfälle schon innerhalb der ersten 48 Stunden ein.

Priorität 2, Hoch: Neisseria gonorrhoeae
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Der Verursacher der häufigsten Geschlechtskrankheit der Welt, Gonorrhoe beziehungsweise Tripper, ist mittlerweile immun gegen die früher übliche Behandlung mit Penicillin. Inzwischen sind auch gegen sämtliche Breitbrand-Antibiotika resistente Stämme identifiziert worden.

Priorität 2, Hoch: Salmonellen
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Das meldepflichtige Bakterium gehört zu den Zoonosen. Das bedeutet, dass sich Mensch und Tier in Wechselwirkung gegenseitig anstecken können. Häufig ist die Infektion über Lebensmittel – insbesondere Eier und Geflügelfleisch. Pro Jahr kommt es in Deutschland zu rund 120.000 Infektionen, von denen bis zu 120 tödlich enden. Einige Salmonellenarten haben inzwischen eine Resistenz gegen die herkömmlichen Antibiotika entwickelt.

Priorität 2, Hoch: Campylobacter
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Der in Deutschland häufigste bakterielle Erreger von Durchfall-Erkrankungen heißt Campylobacter. Er wird genau wie Salmonellen häufig durch Nahrungsmittel übertragen, insbesondere Geflügelfleisch. Besonders gefährlich sind Campylobacter-Bakterien für Kinder unter sechs Jahren und ältere Menschen, sowie generell für Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist.

Priorität 2, Hoch: Helicobacter pylori
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Das Bakterium ist ein ansteckender Magenkeim, der zu Entzündungen der Magenschleimhaut, Magengeschwüren und Magenkrebs führen kann. Der Übertragungsweg ist bis heute ungeklärt. Die Therapie gegen das Bakterium ist eine Kombination eines Protonenpumpenhemmers mit zwei Antibiotika – antibiotische Monotherapien zeigen keinen ausreichenden Erfolg. Mediziner haben zuletzt eine zunehmende Resistenz gegen Breitbandantibiotika beobachtet.

Eine weitere Probandengruppe wurde dann mit den Bildern konfrontiert. Innerhalb von Sekunden sollten diese Testpersonen angeben, ob sie die auf dem jeweiligen Foto Abgebildeten eher als krank oder als gesund einschätzten.

In der Mehrzahl der Fälle lagen die Einschätzungen richtig, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Proceedings B“ der britischen Royal Society. Die Trefferquote der Probanden erreichte bis zu 70 Prozent, wobei vor allem blasse Haut und hängende Augenlieder als Krankheitszeichen gewertet wurden.

Der Vorteil einer solchen „Früherkennung“ liegt auf der Hand: Gerade im Frühstadium einer Infektion, wenn offensichtliche Anzeichen für eine Erkrankung noch fehlen, ist die Ansteckungsgefahr besonders groß. Wer die subtilen Anzeichen im Gesicht des Gegenübers erkennt, kann diese Gefahr minimieren.

Auch müde Menschen wirken krank
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