Medizin Mit Designerviren gegen Krebs

Krebs ist unter anderem deshalb so gefährlich, weil sich Tumorzellen relativ ungestört vom Immunsystem im Körper ausbreiten können. Mit künstlichen Viren wollen Schweizer Forscher die Körperabwehr aktivieren.
Mediziner wollen gezielt die Immunabwehr zum Kampf gegen Tumorzellen aktivieren. (Foto: dpa)
Mikroskop-Aufnahme von Krebszellen

Mediziner wollen gezielt die Immunabwehr zum Kampf gegen Tumorzellen aktivieren. (Foto: dpa)

BerlinUnsere körpereigene Gefahrenabwehr, das Immunsystem, reagiert nicht auf alle Gesundheitsrisiken mit gleicher Intensität: Während etwa bei eindringenden Viren im Körper Alarmsignale freigesetzt werden, die die Immunabwehr zum Einsatz alle verfügbaren Mittel anspornen, können Krebszellen meist ohne größeren Widerstand wachsen. Mediziner suchen daher nach Wegen, das Immunsystem gezielt zum Angriff auf die Tumorzellen anzuregen.

Einen solchen Weg haben Wissenschaftler der Universitäten Basel und Genf jetzt im Fachblatt Nature Communications vorgestellt. Die Forscher um den Baseler Biomediziner Daniel Pinschewer haben künstliche Viren gebaut, die das Immunsystem zur Bildung von „Killerzellen“ anregen, mit denen der Krebs bekämpft wird.

So lässt sich das Krebsrisiko senken
Todesursache Krebs
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Rocklegende David Bowie (r.) und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sind zwei Fälle in einer langen Liste von Prominenten, die an Krebs gestorben sind. Bösartige Tumore sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Häufig ist es Schicksal, doch der Lebensstil kann das Krebsrisiko erheblich beeinflussen, wie Experten betonen.

Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs)
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Nach Ansicht vieler Forscher wären insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen ihren Lebensstil entsprechend änderten. „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen“, sagt der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks.

Krebsrisiko Rauchen
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Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil sogar noch viel höher. Zudem schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Allein in Deutschland sterben jährlich 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs, so der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Krebsrisiko Übergewicht
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Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen viele Menschen nicht, dabei ist er seit Jahren belegt. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden, schätzt DKFZ-Experte Kaaks: „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger.“

Krebsrisiko Ernährung
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Falsche Ernährung spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Am besten belegt und am stärksten ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Andererseits liefert Fleisch aber auch Eisen und wichtige Vitamine. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Krebsrisiko Bewegungsmangel
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Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, sagt Kaaks.

„Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, meint auch Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“

Krebsrisiko Alkohol
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Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt Kaaks. Ein Glas Wein oder Bier reiche schon aus, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern.

Johannes Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Dazu nutzten die Forscher das sogenannte Lymphozytäre Choriomeningitis-Virus (LCMV), das Mäuse, aber auch Menschen befallen kann. Das Virus ist für die Nager ungefährlich, löst aber beim Eindringen in den Körper die für Virusinfektionen typischen Alarmsignale aus.

Um die Immunabwehr auf den „richtigen“ Feind zu lenken, bauten die Mediziner Proteine in die Viren ein, wie sie sonst nur in Krebszellen vorkommen. Bei einer Infektion mit dem Designervirus konnte das Immunsystem diese Krebseiweiße nun als gefährlich erkennen.

Und tatsächlich: Im Körper von krebskranken Mäusen, die mit dem speziell designten LCMV infiziert worden waren, bildete sich eine schlagkräftige Armee von zytotoxischen T-Lymphozyten – Killerzellen, die die Krebszellen anhand ihrer Proteine gezielt erkennen und erfolgreich bekämpfen konnten.

Das Abwehrsystem gezielt aktivieren
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