Medizin
Nanosensor statt Tierversuch

Experimente an Tieren sind seit Jahren in der Kritik, trotzdem steigt die Zahl der Tests mit Labortieren hierzulande. Forscher haben jetzt eine Alternative gefunden: Neue Nanopartikel sollen den Tierversuch ersetzen.
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DüsseldorfUnzählige Mäuse, Ratten und Kaninchen sterben jährlich für die Wissenschaft – Tendenz steigend. Verwendeten deutsche Labors im Jahr 2005 noch etwa 2,41 Millionen Tiere für Forschungszwecke, so waren es 2009 bereits 2,79 Millionen. Ein Drittel diente der biologischen Grundlagenforschung, ein Großteil davon wurde für die Erforschung von Krankheiten und für die Entwicklung medizinischer Produkte und Geräte benötigt.

Die Menschen fordern zwar sichere Medikamente und verträgliche Therapien, doch Tierversuche will kaum jemand in Kauf nehmen. Wissenschaftler suchen daher seit Jahren nach Ersatzmethoden. Eine Alternative haben jetzt die Forscher der Fraunhofer-Einrichtung für Modulare Festkörper-Technologien EMFT in München gefunden. Mit neuartigen Nanosensoren wollen sie die Anzahl der Tierexperimente verringern.

„Wir testen Chemikalien quasi im Reagenzglas auf ihre Wirksamkeit und ihr Risikopotenzial. Hierfür setzen wir lebende Zellen, die aus menschlichem und tierischem Gewebe isoliert und in Zellkulturen gezüchtet wurden, der zu untersuchenden Substanz aus“, erläutert Jennifer Schmidt vom EMFT. Ist der Wirkstoff in einer bestimmten Konzentration giftig für die Zelle, stirbt diese ab – was Schmidt und ihr Team mit ihren Nanopartikeln sichtbar machen.

Messlatte für das zellulare Wohlbefinden ist das sogenannte Adenosintriphosphat (ATP), mit dem gesunde Zellen ihre Energie speichern. Je mehr ATP vorhanden ist, desto aktiver ist die Zelle. Bei einer Schädigung dagegen verringert sie ihre Stoffwechselaktivität, speichert weniger Energie und produziert infolgedessen auch weniger ATP. „Mit unseren Nanosensoren können wir das Adenosintriphosphat nachweisen und feststellen, in welchem Gesundheitszustand sich Zellen befinden. Dies wiederum lässt Rückschlüsse auf den zellschädigenden Einfluss von Medikamenten oder Chemikalien zu“, so Schmidt.

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