Medizin
Neue Debatte über Stammzellen

Die Debatte über die Nutzung embryonaler Stammzellen geht aus Sicht des Tübinger Anatomieprofessors Thomas Skutella ungeachtet seiner neuen Forschungsergebnisse weiter. Sein Forscherteam hat Zellen aus den Hoden erwachsener Männer gewonnen, die fast dieselben Eigenschaften wie embryonale Stammzellen haben.

ap/dpa STUTTGART. Die neu entdeckte Stammzellenart könnte theoretisch bei der Entwicklung von Ersatzgewebe im menschlichen Körper hilfreich sein. Die Forscher erhoffen sich daraus eine Behandlungsmöglichkeit für Parkinson, Diabetes und bei Rückenmarksverletzungen.

Der Vorteil dieser Zellen im Vergleich zu embryonalen Stammzellen liegt darin, dass es kein ethisches Problem gibt und sie gleichzeitig natürlich sind. Die embryonale Stammzellenforschung ist aus ethischen Gründen heftig umstritten, da der Embryo bei der Gewinnung der Stammzellen abstirbt. "Wir brauchen die embryonalen Zellen dennoch - zum Vergleich", sagte der Professor vom Zentrum für Regenerationsbiologie und Regenerative Medizin an der Universität Tübingen in Stuttgart und nahm Kritikern der Forschung mit embryonalen Stammzellen den Wind aus den Segeln.

Als "Quantensprung" will Skutella die Erkenntnisse nicht gewertet wissen: Das sei ein zu großes Wort. Es sei aber ein Schritt auf dem Weg, pluripotente Zellen zu finden. Das sind Zellen, die sich zu verschiedenen Zelltypen entwickeln können - Muskel-, Haut- oder Knorpelgewebe zum Beispiel. Der Erfolg der Tübinger Forscher besteht zudem darin, die Zellen über längere Zeit stabilisiert und vermehrt zu haben.

Bis zu einer medizinischen Anwendung sei es noch ein weiter Weg, sagte Skutella. Bis Klarheit über die Möglichkeiten der neuen Zellen besteht, könnten noch Jahre vergehen, und es sei viel Geld für die weitere Forschung nötig.

Neben jahrelanger intensiver und disziplinierter Forschungsarbeit ist Skutella zufolge eine weitere enge Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen notwendig, um die Nutzbarkeit der Zellen zu analysieren. "Unsere Zellen sind noch nicht so weit geführt worden, dass Therapieansätze untersucht werden könnten."

Die neuen Zellen aus dem Hoden zu benutzen ist nicht die einzige vielversprechende Methode, die embryonale Stammzellenforschung zu umgehen. Es gab bereits aufsehenerregende Experimente, bei denen normale Körperzellen mittels Genmanipulation zu Stammzellen umprogrammiert wurden.

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