Medizin-Nobelpreis
Aidsforscher Gallo geht leer aus

Er ist der große Verlierer im Rennen um den Medizin-Nobelpreis: Der US-Forscher Robert Gallo gilt als einer der Pionier der Aidsforschung. Als Entdecker des Aidsvirus sieht ihn das Nobelkomitee in Stockholm jedoch nicht - obwohl selbst der frischgebackene Nobelpreisträger Luc Montagnier, Gallos langjähriger Widersacher, ihm die Preiswürdigkeit bescheinigt.

dpa BALTIMORE. Damit hatte er nicht gerechnet: Bei der Nobelpreisvergabe für die Entdeckung des Aidserregers HIV ging der Amerikaner Robert Gallo leer aus. Mehr als acht Stunden brauchte er am Montag, bis er sich endlich zu einer Reaktion durchrang. „Ich gratuliere den diesjährigen Nobelpreisgewinnern“, hieß es in der knappen Erklärung, die der Aidsforscher am Montagabend über sein Institut in Baltimore absetzte. Er sei „erfreut“, dass seinem langjährigem Freund und Kollegen Luc Montagnier sowie dessen Kollegin Francoise Barre-Sinoussi die Ehre zu Teil geworden ist. Und dann: „Ich bin dankbar für Dr. Montagniers freundliche Worte von heute morgen, wonach ich (den Preis) ebenso verdiene.“

Man sagt Gallo nach, dass er am Tag der Vergabe des Medizin-Nobelpreises seit Jahren jeweils recht gut zu erreichen gewesen wäre. Auf der Internetseite des von Gallo gegründeten und geleiteten Institute of Human Virology (IHV) in Baltimore wird der Virologe als „Mitentdecker“ des Aidsvirus HIV vorgestellt. Für eben diesen Fund kamen nun aber nur Montagnier und Barré-Sinoussi zu der höchsten Ehre des Faches.

Bei der fieberhaften Suche nach dem Erreger der 1981 erstmals beschriebenen Immunschwäche gelang Montagnier vom Pasteur-Institut in Paris die Isolierung eines Virus, das er zunächst LAV nannte. Er schickte eine Probe davon zu Forschungszwecken an seinen Kollegen Gallo von den amerikanischen Gesundheitsbehörden (National Institutes of Health, NIH).

Gallo war es dann, der 1984 weltweit für Schlagzeilen sorgte: Das US-Gesundheitsministerium gab bekannt, dass dem Wissenschaftler die Entdeckung des Aidsvirus (damals noch HTLV-III genannt) gelungen sei. Er habe es sogar geschafft, einen Bluttest für Patienten zu entwickeln. Der charmante und wortgewandte Gallo wurde von Kollegen und Medien gefeiert - bis sich herausstellte, dass HTLV-III und LAV identisch sind.

Seitdem beschäftigten sich Experten und Medizinhistoriker mit der Frage: Wurden Gallos Proben aus Versehen mit LAV „angesteckt“, oder hat der US-Forscher gar geklaut?

Seite 1:

Aidsforscher Gallo geht leer aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%