Medizin
Nobelpreis für die Stammzellforschung

Der Medizin-Nobelpreis 2012 geht an den Briten John B. Gurdon und den Japaner Shinya Yamanaka. Geehrt werden sie für Arbeiten, die den umstrittenen Einsatz embryonaler Stammzellen in der Medizin überflüssig machen.
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StockholmDer diesjährige Medizin-Nobelpreis geht an den Englnder John B. Gurdon und den Japaner Shinya Yamanaka. Die beiden Wissenschaftler erhalten den Preis für ihre Entdeckung, wie sich Körperzellen rückprogrammieren lassen. Dadurch sei die Sicht auf Zellen und Organismen ”revolutioniert” worden, heißt es in der Begründung des Karolinischen Instituts in Stockholm.

Durch die Rückprogrammierung können erwachsene Zellen wieder in den embryonalen Zustand versetzt werden, in dem sie sich zu verschiedenen Gewebearten entwickeln können. Bis zu der Entdeckung der beiden Stamzellforscher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass die Spezialisierung der erwachsenen Zellen unwiderrufbar ist.

Viele Forscher hoffen, dass sich aus diesen sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) eines Tages Ersatzgewebe erschaffen lassen, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden, weil sie aus deren eigenem Körper stammen. Damit stünden der Medizin völlig neue Behandlungsmethoden im Kampf gegen schwere Erkrankungen zur Verfügung. Zudem ließe sich der ethisch umstrittene Einsatz embryonaler Stammzellen in der Medizin vermeiden.

”Man weiß jetzt Dank der Entdeckungen der beiden, dass die Entwicklung der reifen Zellen zurückgedreht werden kann und sie wieder zu unreifen Zellen wie nach der Befruchtung werden können”, erklärte Genetik-Professor und Nobelakademie-Mitglied Urban Lendahl.

Gurdon machte seine Entdeckung bereits 1962, zwei Jahre nach seiner Promotion. Der Brite, der mittlerweile zum Sir geschlagen wurde, arbeitete an der Universität von Cambridge. Heute forscht er an dem nach ihm benannten Gurdon Institute, das der Cambridge Universität angegliedert ist.

”Wow, ich bin sehr glücklich über den Preis, obwohl die Forschung ja schon sehr lang zurück liegt”, kommentierte Gurdon die Auszeichnung. Trotz seiner 79 Jahre saß er am Vormittag in seinem Labor und wollte zunächst gar nicht ans Telefon gehen.

Auch Yamanaka zeigte sich äußerst zufrieden über die Auszeichnung. Er empfinde die Verleihung des Nobelpreises als „enorme Ehre“, wird der Forscher in einer Stellungnahme auf der Webseite der Universität Kyoto zitiert. Es sei aber auch eine gewaltige Ermutigung für ihn selbst, seine Kollegen und alle Wissenschaftler, die mit iPS-Zellen arbeiten, die Forschungen fortzusetzen. Er werde mit seinen Kollegen härter arbeiten, um effektive Medikamente und neue Therapien zu entwickeln

Yamanaka studierte Medizin zunächst an der Universität von Kobe. 1993 promovierte er in Osaka. Nach einem Aufenthalt in den USA ist er heute Professor an der Kyoto-Universität. Die Entdeckung, für die er heute geehrt wird, veröffentlichte er im Jahr 2007.

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