Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen
Erfolgreicher Virenjäger

Mit seiner Erkenntnis, dass Viren Krebs auslösen können, hat Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen die Krebsforschung revolutioniert. Doch nicht nur die Gebärmutterhalskrebs auslösenden Papillomviren lassen sich heute mit Impfstoffen bekämpfen. Weltweit, so schätzt der frisch gebackene Nobelpreisträger, ließen sich pro Jahr etwa eineinhalb Millionen infektionsbedingte Krebsfälle verhindern - wenn alle Möglichkeiten zur Vorsorge genutzt würden.

dpa HEIDELBERG. Noch vor drei Jahrzehnten wurde die Idee, dass Infektionen Krebs auslösen können, von den meisten Forschern belächelt. Inzwischen gilt dies als allgemein akzeptierte Tatsache. Zu verdanken ist der Sinneswandel maßgeblich dem Virologen Harald zur Hausen. Er formulierte damals die Hypothese, dass Gebärmutterhalskrebs von Papillomviren ausgelöst werden kann. Anfang der 1980er Jahre gelang es seiner Arbeitsgruppe, die entscheidenden Virustypen zu isolieren. Damit legte zur Hausen den Grundstein für die Entwicklung von Impfstoffen gegen den Krebs, die 2006 auch in Deutschland zugelassen wurden.

Sein wissenschaftlicher Durchbruch war dem 1936 in Gelsenkirchen geborenen Harald zur Hausen 1970 gelungen, als er das Epstein-Barr-Virus in Gewebeproben menschlicher Tumoren nachwies. Damit zeigte er erstmals, dass sich Viren in das Erbgut menschlicher Zellen einfügen und sie damit zu Krebszellen wandeln können. 1972 wurde der Mediziner zum Professor der Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg ernannt, ab 1977 arbeitete er in gleicher Position an der Universität Freiburg.

Seit den 70er Jahren beschäftigte sich zur Hausen vor allem mit Humanen Papillomviren (HPV). Seine Arbeitsgruppe isolierte 1983 die zwei Virustypen 16 und 18, die als die beiden wichtigsten Auslöser von Gebärmutterhalskrebs gelten. Damit ebnete der Virologe den Weg für die Entwicklung eines Impfstoffs zum Schutz vor dieser weltweit zweithäufigsten Krebserkrankung bei Frauen nach dem Brustkrebs. Jährlich gibt es etwa eine halbe Million neuer Fälle von Gebärmutterhalskrebs, mehr als 80 Prozent davon in Entwicklungsländern.

Bereits 1984 wandte sich zur Hausen mit der Idee an deutsche Pharmafirmen, auf Basis seiner Erkenntnisse einen Impfstoff gegen den Krebs zu entwickeln. Er stieß jedoch auf wenig Begeisterung - zu vage schienen den Unternehmen die Erfolgsaussichten. Später griffen US-Firmen die Idee auf. Verwendet wurden schließlich sogenannte Virus-ähnliche Partikel (VLP). Sie entsprechen der Proteinkapsel des Virus, sind aber „leer“, enthalten also kein Viruserbgut. Die VLPs werden vom Immunsystem als infektiös attackiert, obwohl sie es nicht sind.

Zur Hausen plädierte mehrfach dafür, die seit Frühjahr 2007 für alle Mädchen zwischen zwölf und 17 in Deutschland empfohlene Impfung auf alle Jugendlichen auszudehnen. „Sie wäre auch für Männer wichtig“, betonte er. Auch sie würden von den Warzenviren befallen.

Doch Viren spielen nicht nur beim Gebärmutterhalskrebs eine Rolle. Nach zur Hausens Einschätzung wird etwa jede fünfte Krebserkrankung durch Infektionen hervorgerufen. Diese Zahl sei seiner Einschätzung nach nur die Untergrenze, der Anteil sei möglicherweise noch deutlich größer, betont der Virologe. So werden etwa Hepatitis-B-Viren mit Leberkrebs und Epstein-Barr-Viren mit Tumoren im Nasen- und Rachenbereich in Verbindung gebracht.

Für einige der Erreger gibt es mittlerweile vorbeugende Impfstoffe. „Weltweit könnten theoretisch etwa eineinhalb Millionen infektionsbedingte Krebsfälle jährlich verhindert werden, wenn alle Möglichkeiten der Prävention genutzt würden“, sagte zur Hausen im vergangenen Jahr bei einer Tagung in München.

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