Medizin-Nobelpreisträger Luc Montagnier
Unermüdlich im Kampf gegen Aids

Seit der Entdeckung des Aidsvirus ist Luc Montagnier unermüdlich im Einsatz gegen die heimtückische Krankheit. Der Medizin-Nobelpreisträger widmet seine Zeit inzwischen vor allem dem Aufbau eines weltweiten Netzwerks von Aidszentren.

dpa PARIS. Dem Weinfreund Luc Montagnier (76) ist sein Fachgebiet auch beim Genuss noch Vorbild. „Beim Wein ist es wie in der Medizin - auf die richtige Dosierung kommt es an“, meinte der französische Professor verschmitzt, als er vor Jahren in St. Emilion (bei Bordeaux) zum Ehrenpräsidenten der Winzer-Bruderschaft „Jurade“ ernannt wurde. Der medizinischen Forschung hat der Vater von drei erwachsenen Kindern sein ganzes Leben gewidmet. Dem grauhaarigen Professor, der ungern im Vordergrund steht, ist sie Lebenselixier. Für seine Leistungen bei der Entdeckung des Aidserregers HIV wird der Aidspionier nun mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt.

Die Grundlagen für sein Interesse wurden bereits in der elterlichen Garage gelegt: Der Vater, ein Buchhalter, beschäftigte sich in der Freizeit mit chemischen Experimenten und hatte dort ein Labor. In Poitiers und in Paris, wo der am 18. August 1932 in Chabris geborene Montagnier als Mediziner promovierte, vertiefte er seine Kenntnisse. Ein vierjähriger Forschungsaufenthalt in Großbritannien weckte den Wunsch zur Spezialisierung als Virologe.

Als er 1955 nach Paris zurückkehrte, wurde er nach seiner Tätigkeit als Assistent an der Sorbonne ins wissenschaftliche Forschungszentrum CNRS berufen, dessen Direktor er 1974 wurde. 1982 wechselte er zum Pasteur-Institut, wo er die Leitung der Virologischen Abteilung übernahm und seit 1985 auch eine Professur bekleidete. Um der in Frankreich streng beachteten Altersgrenze bei Wissenschaftlern zu entgehen, übernahm er 1997 zusätzlich auch den Lehrstuhl für Aidsforschung an der Universität New York. Seit der Entdeckung des Aidsvirus lässt den Forscher die Arbeit nicht mehr los: „Ich laufe ständig der Zeit hinterher“, sagt Montagnier, der weltweit Vorträge hält und diverse internationale Auszeichnungen bekam.

In seinem Buch „Von Viren und Menschen“ beschreibt Montagnier die Entdeckung des Aidserregers - die zunächst in einem jahrelangen, erst 1994 beigelegten Streit mit seinem amerikanischen Kollegen Robert Gallo mündete: Montagnier hatte das Patent für den ersten Aidstest ein halbes Jahr vor Gallo beantragt, der es jedoch eher vom US- Patentamt bewilligt bekam.

Der Musikliebhaber Montagnier gründete 1993 seine bei der UNESCO (UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) angesiedelte internationale Stiftung zur Aidsforschung und -vorsorge, die er auch leitet. Unermüdlich ist er seitdem für den Aufbau eines Netzwerkes von Aidszentren im Einsatz, die ein Bindeglied zwischen Praxis und Forschung herstellen sollen.

Einen endgültigen Sieg über die Immunschwächekrankheit sieht Montagnier, der bei neuen Entdeckungen meist vor verfrühtem Optimismus warnt, so schnell nicht voraus: „Wir werden keine magische Lösung finden. Wir brauchen viel Zeit, um in kleinen Schritten voranzukommen“, sagte er etwa 2003 auf einem Kongress in Hamburg.

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