Medizin
Per Internet nach Krebszellen suchen

Einen ungewöhnlichen Weg gehen britische Mediziner bei der Erforschung von Brustkrebs: Sie schicken per Internet Laien auf die Suche nach Krebszellen. Nicht alle Forscher sind von dem Projekt begeistert.
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LondonBei der Krebsforschung setzt eine britische Einrichtung auf ungewöhnliche Helfer: Statt Mediziner sollen sich interessierte Laien auf die Suche nach Krebszellen begeben. Cancer Research U.K., eine private Stiftung, die Informationen für Krebspatienten bereitstellt und Forschungsprojekte unterstützt, hat kürzlich eine Website mit Fotos von Brustkrebszellen lanciert und die Bevölkerung aufgerufen, bei der Kategorisierung der Zellen zu helfen.

Zehntausende Aufnahmen von Krebszellen sind auf der Seite zu finden, die bei vorangegangenen Studien gemacht wurden. „Verborgen in unseren Daten sind womöglich Dinge, die zur Krebsheilung beitragen können“, heißt es auf der Website. „Helft uns, sie zu entdecken.“

„Normalerweise würden die Daten von Forschern durchgeschaut, aber die Menge ist überwältigend, und es würde sehr lange dauern“, sagt Chris Lintott von der Oxford University, Leiter des Teams, das die Website entworfen hat. „Wir haben eine Sprache gewählt, die nicht so technisch ist“, erklärt er. „Aber bei der Arbeit geht es um exakt das, was auch ein Pathologe tun würde.“

Interessierte bekommen eine kurze Einführung, worum es geht, welche Zellen wichtig sind, welche ignoriert werden können. Sobald sie in der Lage sind, krankhaft veränderte Zellen von anderen zu unterscheiden, werden sie gebeten, die in Frage kommenden Zellen nach einem bestimmten Schema einzuordnen. Jede Aufnahme soll von mehreren Menschen bewertet werden, damit Fehler, Irrtümer oder Versehen möglichst ausgeschlossen werden können.

„Die Daten sind so gestaltet, dass jeder, der in seiner Mittagspause zwei oder drei Minuten Zeit hat, auf die Seite gehen kann und etwas wirklich Nützliches im Kampf gegen Krebs tut“, sagt Lintott. „Wenn Millionen Menschen bereit sind, uns zu helfen, kommen wir viel schneller voran.“

Krebsforscher bewerten die Initiative unterschiedlich: „Die Öffentlichkeit auf diese Art und Weise zu ermutigen, kann sicherlich hilfreich sein“, sagt Richard Francis, Mediziner bei einer Organisation, die sich mit der Brustkrebs-Forschung beschäftigt. „Wenn es funktioniert, kann die Website sicherlich dazu beitragen, dass die Krebsforschung beschleunigt wird.“

Skeptischer ist Kenneth Aldape, Pathologe am MD Anderson-Krebszentrum in Texas. Die Website bezeichnet er nach eingehender Prüfung als „oberflächlich“. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf die Weise irgendetwas geheilt wird“, sagt er. „Aber einen Versuch ist es wert.“

 
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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