Medizin-Preis vergeben
Nobelpreis für den Kampf gegen Parasiten

Der Medizin-Nobelpreis 2015 geht nach Irland, Japan und China. Drei Forscher werden ausgezeichnet für die Entwicklung von Therapien gegen Krankheiten, die vor allem Menschen in ärmeren Regionen der Erde bedrohen.

Stockholm/BerlinDer diesjährige Medizin-Nobelpreis geht zur einen Hälfte an den irischen Wissenschaftler Willian C. Campbell und den Japaner Satoshi Omura. Die beiden erhalten die Auszeichnung für ihre Entdeckung eines Heilmittels gegen Krankheiten wie Flussblindheit und Elephantiasis (Lymphatische Filariose), die durch Parasiten ausgelöst werden. Die andere Hälfte erhält die Chinesin Youyou Tu für ihre Entwicklung einer Therapie gegen die Malaria-Krankheit. Die Geehrten teilen sich das Preisgeld in Höhe von acht Millionen schwedischen Kronen (rund 850.000 Euro).

Parasiten seien seit Menschengedenken eine Geißel für die Menschheit, heißt es in der Begründung des Karolingischen Instituts in Stockholm. „Die diesjährigen Nobelpreisträger haben neue Therapien entwickelt, die die Behandlung von einigen der meistverbreiteten und schrecklichen Parasitenkrankheiten revolutioniert haben“, schreibt das Institut.

Campbell (85) und Omura (80) hatten bei dem Bakterium Streptomyces avermitilis einen neuen Wirkstoff gegen Parasiten entdeckt: das Avermectin. Omura hatte Anfang der 70er Jahre aus Bodenproben Streptomyces-Arten isoliert und im Labor kultiviert. Campbell hatte auf der Suche nach neuen antibiotisch wirksamen Substanzen mit diesen Kulturen gearbeitet und war dabei auf die Avermectine gestoßen.

Diese Neurotoxine lähmen Fadenwürmer (Nematoden), Milben und Zecken und führen zu ihrem Tod. Beim Menschen findet vor allem Ivermectin Verwendung, ein Gemisch zweier halbsynthetischer Avermectine. Ivermectin hat die Häufigkeit von Flussblindheit und Lymphatischer Filariose extrem vermindert.

Eine Meisterleistung der Medizingeschichte

Die in den tropischen Gebieten Afrikas und Amerikas vorkommende Flussblindheit wird vom Fadenwurm Onchocerca volvulus verursacht. Auch bei Lymphatischer Filariose sind bestimmte Fadenwürmer die Ursache. Sie besiedeln das Lymphsystem und führen zum Lymphstau in einzelnen Körperteilen, die sich in der Folge extrem vergrößern können, weshalb die Krankheit auch unter dem Namen Elephantiasis bekannt ist.

Betroffen von diesen Krankheiten sind vor allem Menschen in Entwicklungsländern. „Die Behandlung (mit Ivermectin) ist so erfolgreich, dass diese Krankheiten am Rand der Ausmerzung stehen, was eine Meisterleistung in der Medizingeschichte der Menschheit wäre“, so das Nobel-Komitee.

Youyou Tu (84) entdeckte bei Testreihen mit Pflanzenstoffen das Potenzial des Artemisinins, einer in der traditionellen chinesischen Medizin verwendeten Substanz aus Blättern und Blüten des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua). Sie wirkt gegen den Erreger der Malaria tropica. Die Sterblichkeitsrate Malariakranker ließ sich damit deutlich reduzieren.

„Artemisinin ist das am häufigsten genutzte Medikament gegen Malaria“, sagte Elena Levashina vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Es habe das Leben von Millionen Menschen verändert und sei ein Durchbruch bei der Bekämpfung von Malaria gewesen. Allein für Afrika bedeute Artemisinin mehr als 100.000 gerettete Leben jährlich, erläuterte das Nobel-Komitee.

Anna Wedell, Professorin am Karolingischen Institut und Mitglied des Nobel-Komitees, betonte in einer Stellungnahme die „unglaubliche Bedeutung“ der Arbeiten der drei Wissenschaftler. Vor allem in ärmeren Ländern seien durch Parasiten verursachte Krankheiten weit verbreitet. „Ein Drittel der Weltbevölkerung befindet sich in der Risikozone“, erklärte die Wissenschaftlerin.

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Bescheidener Preisträger

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