Medizin
Wichtiger Erfolg in der Stammzellforschung

Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin ist ein wichtiger Durchbruch in der Stammzellforschung gelungen. Den Forschern aus Münster gelang die Umprogrammierung von menschlichen Körperzellen zu Stammzellen in einem Verfahren, das die Gefahr der Entstehung von Tumoren minimiert.
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HB FRANKFURT/MAIN. Erstmals haben Forscher adulte menschliche Zellen mit nur einem einzigen eingeschleusten Gen in sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) umgewandelt. Nach entsprechenden Versuchen an Mäusen zeigten die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster, dass auch beim Menschen das Gen Oct4 ausreicht, um Körperzellen ähnlich wandlungsfähig zu machen wie embryonale Stammzellen. Der Erfolg lässt die Entwicklung sicherer und ethisch unbedenklicher Stammzell-Therapien ein Stück näher rücken.

Da das Einschleusen mehrerer Gene in eine Zelle das Tumorrisiko erhöht, macht der Fortschritt den therapeutischen iPS-Einsatz sicherer. Zudem stärkt der im Fachblatt „Nature“ veröffentlichte Erfolg den Wissenschaftsstandort Deutschland.

Denn im Gegensatz etwa zu den USA, Großbritannien oder Australien ist hierzulande die Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen laut Embryonenschutzgesetz verboten. Auch Einfuhr und Verwendung solcher Zellen aus dem Ausland sind nur unter strengen Auflagen erlaubt. Dagegen sind induzierte pluripotente Stammzellen ethisch und juristisch unbedenklich.

Deren Entwicklung hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Erstmals hatten vor drei Jahren japanische Forscher ausgereifte Hautzellen einer Maus mit vier Transkriptionsfaktoren, darunter Oct4, so umprogrammiert, dass sie ebenso wie embryonale Stammzellen jeden der über 200 Zelltypen des Körpers bilden können. Ein Jahr später gelang dies auch bei menschlichen Hautzellen. Aber nach dem Einpflanzen von iP-Stammzellen erkrankten viele Versuchstiere an Krebs.

Anfang 2009 zeigten die Forscher aus Münster an Mäusen, dass allein das Gen Oct4 genügt, um adulte neurale Stammzellen umzuprogrammieren. Nun schleusten die Wissenschaftler dieses Gen mit einem Virus in menschliche neurale Stammzellen ein. Aus diesen Kulturen isolierten sie dann Zellen, die sich in iPS verwandelt hatten.

Damit rückt die Entwicklung sicherer Stammzelltherapien einen Schritt näher. Hierbei hat sich gezeigt, dass Ersatzzellen eines Gewebes möglichst aus entsprechenden Ausgangszellen gezüchtet sein sollten. Gegen Hautleiden sind solche iPS besser, die von Bindegewebezellen gewonnen wurden, gegen Nervenerkrankungen jene, die von Nervenzellen stammen.

Letztlich dürfte von der Züchtung menschlicher iPS auch die Erforschung von Krankheiten profitieren. Denn an krankheitsspezifischen Zell-Linien können Forscher das komplexe Zusammenspiel von Genen und Proteinen bei der Entstehung vieler Leiden gezielter untersuchen. Zudem lassen sich an den kranken Zellen auch potenzielle Medikamenten testen.

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