Mediziner sprechen von bahnbrechendem Verfahren
Herzklappe unblutig ersetzt

Spezialisten aus Deutschland und Frankreich haben einem 62-jährigen Inder eine künstliche Herzklappe implantiert - und das, ohne die natürliche Herzklappe vorher operativ zu entfernen. Laut Wittgensteiner Kliniken AG handelte es sich bei diesem Eingriff um eine Weltpremiere. Der Patient hat den Eingriff gut überstanden.

HB DÜSSELDORF. Im Gegensatz zu herkömmlichen Eingriffen muss die defekte Klappe mit dem neuen Verfahren nicht mehr bei geöffnetem Brustkorb chirurgisch entfernt werden. Sie wird an Ort und Stelle belassen und durch einen sich ausdehnenden Stent, ein Röhrchen aus Drahtgeflecht, praktisch zur Seite gedrückt. In dem Stent befindet sich die neue Herzklappe. Der Stent wird per Katheter in das Herz dirigiert.

Das Verfahren wird „Re-Valving“ genannt und stellt laut ausführenden Medizinern eine Revolution in der Herzmedizin dar. Denn es beschreite den Weg von einem bisher sehr komplexen und aufwändigen chirurgischen Verfahren hin zu einer relativ einfachen und wenig invasiven Methode. In naher Zukunft soll das „ReV-alving“-Verfahren den chirurgischen Eingriff bei Hochrisiko-Patienten ersetzen können.

Der deutsche Herzspezialist Prof. Eberhard Grube hat die Operation gemeinsam mit seinem französischen Kollegen Dr. Jean-Claude Laborde in der vergangenen Woche in Neu-Delhi durchgeführt. Die Behandlung erfolgte in Indien, weil die Herzklappe dort schon zugelassen ist. Für Deutschland ist die Zulassung beantragt. Hersteller der so genannten Aortenklappe ist das französische Unternehmen Core-Valve.

Eine künstliche Aortenklappe ist meist dann nötig, wenn eine so genannte Aortenklappenstenose, eine Verengung der natürlichen Aortenklappe am Herzen, vorliegt. Dadurch wird das Ausströmen des Blutes aus der Herzkammer in die Hauptschlagader, die Aorta, behindert. Je nach Ausmaß der Engstelle können Atemnot, schnelle Ermüdung, Schwindel, Herzschmerzen und ein aus dem Takt geratener Herzrhythmus bei Betroffenen auftreten. Eine Aortenstenose kann angeboren sein, meist wird sie aber im Laufe des Lebens erworben. Mit zunehmendem Alter büßt die Klappe aufgrund zunehmender Verkalkung an Elastizität ein, die Klappe öffnet sich dann immer schlechter. Am häufigsten tritt die Aortenstenose deshalb bei älteren Menschen auf, öfter bei Männern als bei Frauen. Eine medikamentöse Behandlung kann nur die Symptome beeinflussen, bei einer starken Verengung ist der Ersatz der Klappe deshalb meist unumgänglich. Insgesamt besitzt das Herz vier Klappen.

Das neue Verfahren soll nicht nur den Patienten schonen, sondern auch die Krankenkassen, da der Patient schneller wieder aus der Klinik entlassen werden kann. Weltweit werden nach Auskunft der Wittgensteiner Kliniken jährlich rund 220.000 Klappen-Operationen durchgeführt, 60 Prozent davon betreffen die Aortenklappe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%