Medizinische Neuerung
Erstmals schlagendes Herz verpflanzt

Die Transplantation von Spenderherzen, aber auch von Lebern oder Nieren, könnte künftig einfacher werden. Ein neues System der Organkonservierung ermöglicht es, Spenderorgane außerhalb des Körpers in funktionsfähigem Zustand zu erhalten.

Erstmals schlagendes Herz verpflanzt

dpa BAD OEYNHAUSEN. „Zum ersten Mal haben wir die Möglichkeit gefunden, dass uns die Zeit nicht so im Nacken sitzt“, sagte Reiner Körfer, Ärztlicher Direktor des größten europäischen Herzzentrums in Bad Oeynhausen. Mitte Januar verpflanzten die Mediziner des Herzzentrums weltweit zum ersten Mal ein schlagendes Herz, das nur kurzzeitig angehalten wurde.

Mit der neuen Konservierungstechnik hört das Spenderherz nach der Entnahme nur für wenige Minuten auf zu schlagen, bevor es mit Hilfe des „Organ Care Systems“ der amerikanischen Firma Transmedics in den schlagenden Zustand zurückversetzt wird. Kern des Systems ist eine sterile Kammer, die das Organ schützt und das Herz auf Körpertemperatur hält. Mit einer Pumpe werden die Herzkranzgefäße mit Blut versorgt, das mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichert ist. Dies erlaube längere Transportwege und umfangreiche Gewebeverträglichkeitstests.

Allerdings pumpt das Herz kein Blut: „Ein leer schlagendes Herz hat den geringsten Energieverbrauch“, erklärte Körfer. Nach Angaben von Transmedics-Vorstandschef Waleed Hassanein wird das System außer in Bad Oeynhausen an Kliniken in Berlin, London und Cambridge getestet. Die EU-Zulassung erwarte er bis zum Jahresende. 35 Millionen Dollar seien bislang in die Forschung gesteckt worden.

Den Experten zufolge werden bei der herkömmlichen Methode Spenderherzen gekühlt und ohne Blutzirkulation aufbewahrt. Dies könne zu Organschäden führen, die Aufbewahrungszeit bis zur Verpflanzung liege bei vier bis fünf Stunden. Danach sei das Sterberisiko binnen eines Jahres um 40 Prozent höher als bei Patienten, die ein Spenderherz innerhalb einer Stunde erhalten.

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