Medizinisches Design
iPod-Optik im OP-Saal

Eierschale, bestenfalls fahles weiß: Medizinisches Gerät war bisher nicht für auffälliges Design bekannt. Doch Patienten und Ärzte können sich freuen: Dank frischer Farben und futuristischer Gestaltung muss sich moderne Medizintechnik längst nicht mehr hinter iPod und Co verstecken.
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BERLIN. Haufenweise medizinische Geräte, Kabel, Schläuche, grelle Neon-Beleuchtung statt Tageslicht: Intensivstationen sind ungemütliche Orte. "Auf Patienten wirkt die technikdominierte Atmosphäre oft monströs und beängstigend", sagt der auf Medizintechnik spezialisierte Designer Fred Held. Er will Abhilfe schaffen: Mit dem Hersteller Trumpf Medizin Systeme hat er ein Gestaltungskonzept für eine freundlichere Intensivstation erarbeitet. Das Äußere sei ein nicht zu unterschätzender Faktor für die schnelle Genesung.

Das Ergebnis: Ein Segel spannt sich über das Patientenbett und verbirgt die Deckenträger, an denen Geräte befestigt sind. Durch den weißen Schirm dringt diffuses Licht, die LED-Lampen imitieren durch wechselnde Lichtfarben den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Weitere Lampen lassen sich bei Bedarf zuschalten: So gibt es Spots für Untersuchungen am Patienten oder sanfte Bodenleuchten für nächtliche Kontrollbesuche. Eine Design-Idee, die nicht nur gut aussieht: "Das Licht wirkt beruhigend auf die Patienten", sagt Georg Schönherr, Leiter der neurologischen Intensivstation der Freiburger Uniklinik, wo das neue Lichtkonzept installiert ist. "So etwas sollte überall Standard sein."

Medizintechnischer Fortschritt durch Design: Bei Ergonomie und Funktionalität geht es nicht nur um das Wohlbefinden der Patienten und die Entlastung des Personals, sondern auch um die Sicherheit der Patienten. Etwa 50 Prozent der menschlichen Fehler sind auf eine unangemessene Technikgestaltung oder ungeeignete äußere Bedingungen zurückzuführen, so eine Studie des Verbands der Elektrotechnik.

In vielen Krankenhäusern ist das heute ein Problem. Noch vor zehn Jahren lag die Produktgestaltung in der Medizintechnik weitgehend in den Händen von Ingenieuren. "Damals standen die technischen Innovationen im Vordergrund, die Gestaltung spielte bestenfalls eine Nebenrolle", sagt Silke Schumann, die als Leiterin der Kundenkommunikation bei Siemens für das Corporate Design verantwortlich ist.

Das hat sich heute radikal gewandelt. Medizintechnik-Unternehmen beziehen Designer immer häufiger von Beginn an in die Produktentwicklung mit ein. "Es wird in der Branche nichts mehr gemacht, ohne dass ein Designer einen Blick darauf geworfen hat", sagt Experte Held. Branchenzahlen gibt es zwar keine, aber alleine im Onlineverzeichnis Industriedesign.de finden sich mehr als 200 Designbüros, die im Medizinbereich arbeiten.

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