Medizintechnik
Die große Mission der kleinen Röhrchen

Stents zur Offenhaltung von Blutgefäßen sind mittlerweile Standard in der Kardiologie. Statt in einer offenen Operation, werden sie minimalinvasiv über eine Arterie im Herz implantiert. Aber Deutschland hinkt beim Einsatz neuer Produkte hinterher.
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FRANKFURT. Xience V, Cypher und Endeavor – das klingt spacig und nach der Erforschung fremder Galaxien. Tatsächlich aber geht es um kleine Röhrchen, sogenannte Stents, die vor allem eine Mission haben: Blutgefäße, und zwar meistens die Herzkranzgefäße, offen zu halten. Statt wie der Bypass durch eine offene Operation ins Herz eingesetzt zu werden, werden Stents etwa nach einem Herzinfarkt minimalinvasiv über eine Arterie von der Leistengegend aus ins Herz implantiert.

Im rund fünf Millarden Dollar schweren weltweiten Stentmarkt dominieren vier Konzerne derzeit das Geschäft. Stents zu verkaufen, ist lukrativ, die Margen liegen nicht selten bei 20 Prozent. Viel spricht derzeit dafür, dass der US-Medizintechnik- und Pharmakonzern Abbott den Konkurrenten Boston Scientific, Medtronic und Johnson & Johnson in nächster Zeit davonziehen kann. Und zwar einmal, weil neueste Studiendaten zur Sicherheit des Xience-V-Stent von Abbott aus Sicht von Analysten so überzeugend sind, dass dessen Marktanteil überproportional ansteigen dürfte.

Und andererseits, weil Abbott künftig die Xience-V-Technologie allein anbietet. Die Lieferverpflichtung mit Boston Scientific ist Mitte November ausgelaufen; der Abbott-Stent, der auch von Boston Scientific unter dem Namen Promus angeboten wurde, wird künftig nur noch von Abbott vertrieben. Boston Scientific hat Anfang November die Zulassung für einen in den eigenen Labors entwickelten Stent namens Promus Element bekommen.

Medikamentefreisetzende Stents sind international sehr gefragt

Zurück geht das Konstrukt auf eine der größten Übernahmeschlachten im Medizintechnikbereich, als Boston Scientific Anfang 2006 nach einem Bietergefecht gegen den größeren Konzern Johnson & Johnson das US-Unternehmen Guidant für 27 Milliarden Dollar erwarb. Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, hatte Boston Scientific einen Teil von Guidant, darunter auch den Bereich der Stents, an Abbott verkauft.

Aber um trotzdem an der vielversprechenden neuen Guidant-Entwicklung eines medikamentefreisetzenden Stents teilzuhaben, wurde die Lieferverpflichtung für den ab 2007 zugelassen Xience-V-Stent vertraglich festgelegt. Der Xience-V-Stent hat sich im vergangenen Jahr (inklusive Promus) bereits einen Marktanteil von weltweit 21 Prozent erarbeitet. Und die Analysten von J.P. Morgan erwarten, dass die Abbott-Guidant-Technologie im nächsten Jahr bereits die Marke von 50 Prozent weltweit knackt.

Auch in Deutschland liegt der Xience-V-Stent mit einem Marktanteil „in den hohen Zwanzigern“ in der Gruppe der medikamentefreisetzenden Stents vorn. Frank Günther, Geschäftsführer der Vascular-Sparte von Abbott in Deutschland, ist sich sicher, dass Abbot trotz des derzeit eher stagnierenden Marktes weiter zulegen wird. Denn in Deutschland gebe es gegenüber den USA und anderen europäischen Ländern noch einen Nachholbedarf. Als erste Firma hatte Johnson & Johnson vor einigen Jahren den medikamentefreisetzenden Stent Cypher auf den Markt gebracht. In den letzten Jahren allerdings sind die Wettbewerber nachgezogen und haben Cypher Marktanteile abgejagt.

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