Medizintechnik
Mit der Kamera auf den Zahn fühlen

Der Zahnersatz aus dem Computer ist längst zum Alltag geworden. Doch während Zahntechniker bereits Kronen und Brücken am Rechner konstruieren und Maschinen das Gerüst automatisch fertigen, muss der Patient noch eine unangenehme Prozedur über sich ergehen lassen, damit der passende Abdruck genommen werden kann. Das soll sich bald ändern.
  • 0

DÜSSELDORF. Die Herstellung von Zahnersatz kann bald schneller und präziser erfolgen. Nachdem viele Zahntechniker bereits Kronen und Brücken am Computer konstruieren und Maschinen das Gerüst automatisch fertigen, bieten erste Hersteller von Zahntechnik wie 3M Espe und Sirona erstmals Kameras an, mit deren Hilfe Zahnärzte künftig quasi virtuelle Abdrücke erstellen können, nach denen Zahntechniker später dann die Ersatzzähne entwerfen und maschinell fertigen.

Die neue Präzision hat nicht nur Vorteile für den Fertigungsprozess, sondern auch für die Patienten. Diese müssen heute noch, bevor der Zahnersatz beim Dentallabor bestellt werden kann, eine unangenehme Prozedur über sich ergehen lassen. Damit der Zahntechniker Brücken und Kronen in das Gebiss einpassen kann, benötigt er ein Modell des Ober- und Unterkiefers. Dieses entsteht mit Hilfe eines Abdrucks, den der Zahnarzt mit einer kaugummiähnlichen Masse und einer Metallschablone anfertigt.

Vielen Patienten kann diese Prozedur bald erspart werden. Mit den neuen Kameras vermisst der Zahnarzt künftig in weniger als einer Minute den Kiefer Zahn für Zahn. Die Daten werden über das Internet an ein Zahnlabor geschickt, in dem ein Laser mit Hilfe sogenannter Lithografietechnik Schicht für Schicht ein Kunststoffmodell des Ober- und Unterkiefers anfertigt.

„Die Schnittstelle zwischen zahnärztlicher und zahntechnischer Arbeit wird in vielen Bereichen neu definiert“, sagt Martin Rickert, Vorstandsvorsitzender des Verbands der deutschen Dentalindustrie (VDDI). Die Digitalisierung setze sich seit Jahren in der Dentaltechnik immer mehr durch. Computer bringen immer mehr Präzision und Arbeitserleichterungen in die Zahnpraxis und das Labor. Die Software-Unterstützung bedeutet Zeit- und Kostenersparnis sowie Komfort, außerdem Qualitätssicherung und eröffnet dem Zahntechniker neue Möglichkeiten.

Noch vor wenigen Jahren galt die computergestützte Herstellung von Zahnersatz als Ausnahmeverfahren für Digitaltechnik-Begeisterte. Heute dagegen dominieren in der Prothetik und zunehmend auch in der Implantologie die neuen computergestützten Verfahren. Inzwischen seien weltweit bereits über 25 Millionen vollkeramische Implantate mit Hilfe von CAD/CAM-Technik gefertigt worden – Tendenz steigend, so der VDDI-Manager.

Allerdings startet der digitale Prozess bislang oft erst im Labor des Zahntechnikers. Hier vermessen hochauflösende dreidimensionale Laserscanner die Abdrücke der Patienten und speichern die Daten in die Konstruktionsprogramme ein, mit denen der Zahntechniker den benötigten Zahnersatz entwirft.

Seite 1:

Mit der Kamera auf den Zahn fühlen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%