Mehr als 130 Erkrankte
Gefährlicher Darmkeim grassiert weiter

Nierenleiden, Gefäßschäden und Blutarmut - der lebensgefährliche Darmkeim EHEC befällt derzeit vor allem Frauen in Norddeutschland. Mehr als 130 Menschen sind erkrankt. Doch es gibt einen Weg sich zu schützen.
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BerlinDer lebensgefährliche Darmkeim EHEC breitet sich weiter aus. Mittlerweile haben sich in Deutschland mehr als 130 Menschen angesteckt, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Bei mindestens 40 von ihnen verläuft die Krankheit besonders schwer. Viele leiden unter Nierenschäden. Der Zustand von mindestens zwei Patienten ist so kritisch, dass sie künstlich beatmet werden müssen. Zahlreiche Menschen liegen auf der Intensivstation, einige von ihnen erhalten Dialyse-Behandlungen. "Die Lage ist weiter ernst", hieß es am Montag aus dem Gesundheitsministerium in Hamburg.

"Die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum ist sehr ungewöhnlich, auch die betroffenen Altersgruppen sind untypisch. Aktuell sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen", teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Montag mit.

Nach Angaben der Behörde ist die Infektionsquelle für die EHEC-Erkrankungen möglicherweise noch aktiv. Die etwa 40 schweren Verläufe litten unter dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das von dem Darmbakterium verursacht wird. Dabei kann es zu Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einem Mangel an Blutplättchen kommen.

Die schweren Erkrankungen, die auch von blutigen Durchfällen begleitet seien, häuften sich seit der zweiten Maiwoche. Laut RKI treten auch weiterhin neue Fälle auf. Erkrankt seien vor allem Menschen in Norddeutschland. Ein RKI-Team ist derzeit in Hamburg, wo bislang rund 30 HUS-Fälle gemeldet wurden.

In Niedersachsen und Bremen sind bislang 69 EHEC-Patienten bekannt. "Bei einigen besteht Lebensgefahr", sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, in Hannover. In Hamburg liegt die Zahl bei 40 bestätigten Fällen. In Schleswig-Holstein lagen am Montag 90 Verdachtsfälle vor, darunter 13 mit besonders schwerem Verlauf.

In Hessen erkrankten offiziellen Angaben zufolge bislang 16 Menschen an dem EHEC-Keim. Mecklenburg-Vorpommern meldet drei bestätigte Fälle und Nordrhein-Westfalen zwei. Im Saarland haben sich mindestens drei Menschen infiziert. In Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern gab es am Montagnachmittag noch keine bestätigten Fälle.

Zu den Symptomen zählen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Normalerweise sind nach RKI-Angaben Kleinkinder betroffen. Warum sich nun vor allem Erwachsene infizieren, ist unklar.

Ungewaschenes Obst und Gemüse könnten den Wissenschaftlern zufolge der Auslöser sein. Aber auch rohe Milch oder rohes Fleisch als Grund für die Krankheit bleiben im Visier der Fahnder. Befragungen von Patienten in Niedersachsen ergaben ebenfalls, dass vermutlich Gemüse die Ursache der Infektionen ist. Das Lebensmittel müsse sich irgendwo im Handel befinden, sagte Pulz vom Gesundheitsamt in Hannover.

Das Enterohämorrhagische Escherichia coli-Bakterium (EHEC) befindet sich oftmals im Kot von Nutztieren wie Rindern, Schafen und Ziegen. Der Erreger kann sowohl bei direktem Kontakt mit den Tieren, aber auch durch verunreinigte Lebensmittel übertragen werden.

EHEC-Keime treten in Deutschland immer wieder auf. Das RKI hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert, die aber oft einen leichteren Verlauf nahmen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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